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Förderung von Lernstrategien

Was versteht man unter Lernstrategien?

Lernstrategien gehören nach Landmann et al. 2015 zum „Kern selbstregulierten Lernens“.

Lernstrategien sind entscheidend für den Aufbau von Kompetenzen sowie die Entwicklung nachhaltigen Wissens. Darüber hinaus kann dadurch nach Renkl 2006 „träges Wissen“, also Wissen, das nicht in praktisches Handeln überführt werden kann, vermieden werden.

Mithilfe von Lernstrategien kann die Qualität des Lernprozesses gesteigert werden, da Informationen gezielt aufgenommen, verarbeitet und reflektiert werden. In der Fachliteratur hat sich dabei eine Unterscheidung zwischen Primärstrategien und ressourcenorientierten Strategien (Stützstrategien) bewährt. Primärstrategien beziehen sich unmittelbar auf die Verarbeitung und Steuerung des Lernens und umfassen kognitive sowie metakognitive Strategien. Stützstrategien hingegen unterstützen die Lernenden dabei, günstige persönliche und äußere Bedingungen für erfolgreiches Lernen zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Dazu zählen beispielsweise der Umgang mit Motivation, Aufmerksamkeit, Emotionen, Zeit und Lernumgebung. Motivations- und Emotionsstrategien werden dabei je nach theoretischem Modell entweder den ressourcenorientierten Strategien beziehungsweise der Selbstregulation zugeordnet oder als eigenständige Bereiche beschrieben.

  • Kognitive Lernstrategien werden eingesetzt, um Informationen zu verarbeiten und Zusammenhänge zu erschließen. Sie helfen Lernenden, sich mit dem Lerngegenstand so auseinanderzusetzen, dass sie Inhalte vertieft verstehen und ihr Wissen auch längerfristig anwenden können.

  • Metakognitive Strategien zielen darauf ab, den eigenen Lernprozess zu reflektieren und selbst zu regulieren. Mit metakognitiven Strategien können Lernende ihre Lernschritte planen, ihr Vorgehen überprüfen und ihr Lernen selbst steuern.

Ressourcenorientierte Strategien (Stützstrategien) unterstützen Lernende dabei, innere und äußere Bedingungen für erfolgreiches Lernen bewusst zu gestalten und zu nutzen. Dabei wird häufig zwischen externem und internem Ressourcenmanagement unterschieden.

  • Strategien des externen Ressourcenmanagements beziehen sich auf die Gestaltung der Lernumgebung und die Nutzung äußerer Unterstützungsangebote, beispielsweise die Organisation des Arbeitsplatzes, die Verwendung geeigneter Materialien oder das Lernen mit anderen (vgl. Schulz, 2020).

  • Strategien des internen Ressourcenmanagements umfassen die Regulation von Aufmerksamkeit, Anstrengung, Lernzeit, Motivation und Emotionen.

  • Motivationsstrategien fördern die Bereitschaft, sich ausdauernd und vertieft mit einer Aufgabe auseinanderzusetzen und auch bei Schwierigkeiten am Lernen dranzubleiben. Sie stärken Motivation, Durchhaltevermögen und Anstrengungsbereitschaft.

  • Emotionsstrategien zielen darauf ab, mit Gefühlen so umzugehen, dass diese das Lernen unterstützen und nicht behindern. Sie helfen beispielsweise dabei, Prüfungsangst zu bewältigen oder mit Frustration und inneren Widerständen produktiv umzugehen.

Die Kenntnis und die Fähigkeit zur Anwendung der oben aufgeführten Strategien versetzen Boekaert zufolge „die Lernenden erst in die Lage, ihr eigenes Lernen aktiv zu gestalten. Die angesprochenen kognitiven Strategien können dabei bereichsspezifisch oder allgemein sein.“

„Für die Schule besonders wichtig ist z. B. der Erwerb von Strategien bezogen auf den effektiven und verständnisbezogenen Umgang mit Texten, d. h. von höherwertigen Strategien des Lesens und der Sinnentnahme aus Texten und Grafiken – dem wichtigsten Medium der Wissensaneignung.“  (Brägger et al. S. 732)

Lernstrategien in der Praxis

Primärstrategien – kognitive Lernstrategien

Kognitive Lernstrategien umfassen das aktive Verarbeiten von Informationen, das Erschließen und Darstellen von Zusammenhängen sowie das Einprägen und Wiederholen von Inhalten. Diese Strategien fördern ein tieferes Verständnis und unterstützen den nachhaltigen Lernprozess.

  • Mit Vorwissen verknüpfen

    Um das Vorwissen der Lernenden zu aktivieren, wird zu Beginn eine gezielte Frage gestellt, die die eigene Überlegung zu einem Thema anregt. Anschließend werden alle Antworten gemeinsam gesammelt und mithilfe geeigneter digitaler Werkzeuge strukturiert sichtbar gemacht. So entsteht ein transparenter Überblick, der den Einstieg in die Textarbeit erleichtert.

    Gemeinsame Wortwolke zur Einstimmung auf ein Textthema
  • Mit Vorwissen verknüpfen

    Vor der Begegnung mit einem (englischen) Text werden die Lernenden mit Begriffen/Namen innerhalb einer Tabelle konfrontiert, die sie möglicherweise schon kennen. Je nach Vorwissen sollen siedenentsprechenden Namen ankreuzen und Informationen festhalten. Je mehr Wissen aktiviert wurde, umso leichter fällt anschließend die Begegnung mit dem neuen Text.

    Tabelle zum Ankreuzen/ Notieren von Vorwissen
  • Wesentliche Inhalte filtern – Schwärzen von unwichtigen Textpassagen

    Die Lernenden identifizieren wesentliche Textstellen, indem sie weniger relevante Passagen in der digitalen Version eines Textes schwärzen, beispielsweise mithilfe der Tape-Funktion. Dadurch wird der Blick gezielt auf die wesentlichen Inhalte gelenkt. Gleichzeitig bleibt die ursprüngliche Textfassung jederzeit verfügbar, da die Markierungen einfach ausgeblendet werden können.

    Weniger relevante Textstellen schwärzen
  • Inhalte visualisieren

    Zentrale Inhalte eines Textes werden in eine visuell ansprechende und strukturierte Darstellung überführt, beispielsweise in Form einer Mindmap oder digitaler Notizzettel. Diese ergänzenden Visualisierungen – direkt neben dem Text oder in separater Form – unterstützen die gezielte Fokussierung auf das Wesentliche und fördern die Behaltensleistung. Der Einsatz digitaler Medien bietet dabei den Vorteil, dass Inhalte flexibel angepasst und jederzeit erweitert werden können.

    Textinhalte visualisieren, z. B. Mindmap, Zeitleiste, digitale Klebezettel
  • Inhalte visualisieren

    Als Vorbereitung für eine Präsentation/ einen Vortrag werden wichtige Phrasen und Inhalte digital festgehalten. Die visuelle Darstellung ermöglicht den Lernenden einen schnellen, stetigen und übersichtlichen Zugriff.

    Phrasen in digitaler Form festhalten
  • Inhalte festigen

    Digitale Karteikarten ermöglichen es den Lernenden, Inhalte eigenständig zu wiederholen und zu vertiefen. Durch die permanente Verfügbarkeit können sie flexibel in unterschiedlichen Lernphasen eingesetzt und individuell erweitert werden.

    Digitale Karteikarten nutzen
  • Inhalte festigen

    Mit der Erstellung eines digitalenQuiz können die Schülerinnen und Schüler Lerninhalte kreativ umsetzen und spielerisch vertiefen. Dadurch, dass diese digitalen Formate unkompliziert geteilt werden können, entsteht schnell ein große Auswahl, mithilfe derer alle Lernenden ihren Wissensstand festigen können.

    Digitales Quiz erstellen

Primärstrategien – Metakognitive Lernstrategien

Metakognitive Lernstrategien beinhalten das bewusste Planen einzelner Lernschritte, das kontinuierliche Beobachten und Anpassen des Vorgehens sowie die Reflexion des gesamten Lernprozesses. Diese Strategien helfen, das eigene Lernen zu steuern und effektiv zu gestalten.

  • Ziele setzen und dranbleiben

    Ein größeres Thema wird über einen längeren Zeitraum im Unterricht behandelt und die einzelnen Ziele werden mithilfe eines Wochenplans so abgearbeitet, dass die Lernenden ihren Fortschritt überprüfen können. Digitale Versionen solcher Wochenpläne bieten den Vorteil, dass sie jederzeit aktualisiert, individuell angepasst und von den Lernenden ortsunabhängig eingesehen werden können.

    Ziele innerhalb eines Wochenplans nachvollziehen
  • Ziele setzen

    Zu Beginn einer Lerneinheit werden den Lernenden die zu erreichende Lernziele klar kommuniziert. Diese können beispielsweise mittels Präsentation visualisiert werden oder zu Beginn eines Moduls in einer Lernplattform erscheinen.

    Lernziele am Anfang einer Einheit bewusstmachen
  • Das Verstehen überprüfen

    In Form einer digitalen Leseaufgabe überprüfen die Schülerinnen und Schüler selbstständig ihre Lesekompetenz sowie das Textverständnis. Durch erneute Abgaben sind Fortschritte möglich und Fähigkeiten können ausgebaut werden.

    Lesefertigkeiten und Textverständnis mittels digitaler Leseaufgabe überprüfen
  • Das Verstehen überprüfen

    Die Lernenden schätzen ihre Stärken mittels Tests ein und wählen schließlich gezielt Übungen aus, durch welche sie sich individuell verbessern können.

    Übungen als Stationen
  • Das Verstehen überprüfen

    Die Lernenden erhalten verschiedene Übungsmöglichkeiten zu einem Thema. Nach jeder Aufgabe können sie ihr Verständnis mithilfe einer „rating scale“selbst einschätzen.

    Persönliche Einschätzung am Ende einer Übung
  • Das Verstehen überprüfen

    Nach einer Übung(sphase) können die Lernenden ihr Verstehen überprüfen, indem sie die digitalen Rückmeldungen über ihr Wissen und ihren Lernfortschritt genauer betrachten. Ihnen werden sowohl ihre jeweiligen Stärken als auch Schwächen aufgezeigt und es kann gezielt an Bereichen weitergearbeitet werden, in denen noch Verbesserungsbedarf besteht.

    Überprüfung des eigenen Wissensstands und selbstgesteuerte Weiterarbeit daran
  • Über das eigene Lernen nachdenken -Nachdenken über die Arbeit mit Texten

     Nach der Arbeit mit einer digitalen Anleitung zur Erschließung eines Textes reflektierendie Schülerinnen und Schüler die durchgeführten Lesestrategien. Auf der Rückseite des Textblattes finden sie in diesem Zusammenhang weiterführende Aufgaben, die ihnen helfen, ihr Vorgehen kritisch einzuschätzen und zu bewerten.
    Durch den Einsatz geeigneter digitaler Tools lässt sich zudem ein Überblick über die Ergebnisse der Reflexion in der gesamten Klasse gewinnen.

    Lesestrategien reflektieren
  • Über das Lernen und die eigene Einstellung nachdenken

     Die Lernenden reflektieren am Ende einer Arbeitsphase / Lerneinheit, welche Strategien und Stärken sie genutzt haben und woran sie diesbezüglich in Zukunft weiter arbeiten möchten.

    Reflexionsbogen am Ende einer Arbeitsphase

Interne Stützstrategien

Unter interne Stützstrategien sind das bewusste Nutzen persönlicher Stärken, das Kennen und Einschätzen des eigenen Lernverhaltens sowie das Verfolgen positiver Gedanken zu verstehen. Diese Strategien fördern Motivation, Selbstvertrauen und eine konstruktive Haltung gegenüber dem Lernprozess.

  • Effektiv lernen

    Viele Lernenden können sich mit Inhalten besser auseinandersetzen, wenn sie sich im Klassenraum oder Schulgebäude bewegen. Digitales Arbeiten bietet dabei insofern einen Vorteil, dass alle benötigten Materialien stets in ihrer Gesamtheit zur Verfügung stehen.

    Vergleichen und Sichtbarmachen von Meinungen und Einstellungen mithilfe von Bewegung im Klassenzimmer
  • Effektiv lernen

    Aktivitäten wie eine Lese- oder QR-Code-Rallye fördern die aktive Auseinandersetzung mit dem Lernstoff durch bewegtes Lernen und Steigern die Motivation. Gleichzeitig können solche Formate Anspannung abbauen und die Konzentration auf die Inhalte verbessern.Lernende sollten sich der positiven Auswirkungen von Bewegung auf ihren Lernerfolg bewusst werden.

    Bewegtes Lernen mittels QR-Code-Ralley
  • Konzentriert lernen

    Lernende können ihre Konzentration auf einen Sachverhalt oftmals erhöhen, indem sie störende Geräusche reduzieren oder die Umgebung – etwa durch das Hören von Musik, einen Gehörschutz oder ähnliche Maßnahmen – ausblenden. Visuelle Impulse, z. B. eine digitale Ampel, geben dabei Orientierung und markieren das Ende einer Arbeitsphase.

    Musikhören während des Lesens
  • Konzentriert bleiben

    Digitale Signale wie Pop-ups oder Töne erinnern daran, rechtzeitig Pausen zu machen und die Konzentration zu halten. Apps mit 25-Minuten-Fokus-Timer (Pomodoro-Technik) zeigen an, wann eine Pause nötig ist. Die Lernenden legen bewusst die aktuelle Aufgabe beiseite und entspannen kurz. Zusätzlich können sie in der Pause ein kurzes Bewegungs- oder Stretching-Video über einen gespeicherten Link starten.

    Nutzung digitaler Pausen-Reminder
  • Positiv bleiben

    Zu Beginn einer Lerneinheit setzen sich die Lernenden bewusst mit ihren Stärken auseinander und überlegen, wie sie diese zur Bewältigung der bevorstehenden Aufgabe sinnvoll einsetzen können. Sie erarbeiten diese in einer digitalen Umfrage. Das Ergebnis kann als „reminder“ im eigenen Lernmaterial gespeichert oder als Bildschirmhintergrund eingestellt werden und so auch zu einem späteren Zeitpunkt für Motivation sorgen.

    Digitale Sammlung zu Stärken und Talenten

Externe Stützstrategien

Externe Stützstrategien beinhalten, sich bewusst auf die gegebenen Rahmenbedingungen einzustellen. Dazu gehört, vorhandene Strukturen und Ressourcen effektiv zu nutzen, um den Lernprozess optimal zu gestalten.

  • Möglichkeiten sozialer Lernformen ausschöpfen

    Bei themenspezifisch aufbereiteten (auch digitalen) Aufgaben erhalten die Lernenden die Möglichkeit, die für sie passende Sozialform zu wählen. So können sie entscheiden, ob sie lieber individuell arbeiten oder gemeinsam mit anderen lernen.

    Auswahl der Sozialform bei unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten
  • Möglichkeiten sozialer Lernformen ausschöpfen

    Wahl der Sozialform bei einer Aufgabe
  • Lernzeit effizienz einteilen

    Mithilfe der digitalen Erinnerungsfunktion des Tablets können die Schülerinnen und Schüler ihre Lernzeit bewusster und sinnvoller einteilen.

  • Lernzeit nutzen

     Auf Grundlage klarer zeitlicher Vorgaben, die die Lehrkraft im Vorfeld – etwa in Form eines digitalen Wochenplans oder durch Aufgaben in einer Lernplattform – bereitstellt, organisieren die Lernenden ihre Arbeitszeit eigenständig. Sie übernehmen die Verantwortung dafür, die vorgesehenen Aufgaben innerhalb des festgelegten Zeitrahmens zu bearbeiten und abzuschließen.

  • Aufgaben und Termine koordinieren

    Lernende nutzen geeignete Werkzeuge wie ein digitales Hausaufgabenheft oder einen Kalender, um einen Überblick über anstehende Aufgaben und wichtige Termine zu bewahren und sich selbst zu organisieren.

    Digitales Hausaufgabenheft: Testtermine, Notenübersicht, Stundenplan, Hausaufgaben
  • Lernort anpassen

    Indem Schülerinnen und Schüler regelmäßig selbstkritisch ihren Arbeitsplatz betrachten, können sie erkennen, ob ihr Lernort ein effektives und gewinnbringendes Lernen ermöglicht.

  • Materialablage strukturiert gestalten

     Um Lernen effektiv zu gestalten, achten die Lernenden auf eine strukturierte und konsequente Anordnung und Bezeichnung der (digitalen) Unterrichtsmaterialien.

  • Lernumgebung gezielt wählen

     Schülerinnen und Schüler wählen bewusst einen geeigneten Lernort, an dem sie ihre Aufgaben konzentriert und zielorientiert bearbeiten können. Diese Lernorte können sich sowohl im Klassenzimmer als auch außerhalb befinden. Zur besseren Übersicht wird der aktuelle Aufenthaltsort der Lernenden visualisiert – beispielsweise durch Aufkleber auf dem digitalen Gerät oder alternativ durch Namensschilder an einer Pinnwand.

Weiterführend: Wie kann ich Lernstrategien einführen?

Einführung und Verinnerlichung von Lernstrategien

Schüler*innen brauchen ein Vokabular, um darüber sprechen zu können, wie sie lernen, was beim Lernen passiert und was gute Lerner*innen tun. Damit Kinder und Jugendliche fähig werden, über ihre Lernprozesse und -ergebnisse zu reflektieren und sich mit andern auszutauschen, können Visualisierungen als Scaffolding-Strategien eingesetzt werden. Dazu eigenen sich beispielsweise die oben gezeigten Lernstrategie-Karten, die in Zusammenarbeit mit Hascher und Hagenauer entwickelt worden sind (Brägger et al. 2019). Karten – in digitaler oder analoger Form – machen für Schüler*innen anschaulich, wie sie ihr Lernen planen und steuern, wie sie sich selbst motivieren und wie sie produktiv mit den eigenen Emotionen umgehen können.

»Eine effektive Lernumgebung verlagert den Aktivitätsschwerpunkt zu den Lernenden als wichtigste Akteure. Sie initiiert deren aktives Engagement und ihre Fähigkeit, mit Widerständen zielführend umgehen zu können. Dabei kommt dem Verständnis des eigenen Lernens eine hohe Bedeutung zu« 

 

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