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Lernförderlich und effektiv Rückmeldung geben: Feedback nach Hattie

Vier Ebenen und drei wichtige Feedbackfragen

Der neuseeländische Pädagoge und Wissenschaftler John Hattie hat gemeinsam mit Helen Timperley ein Modell entwickelt, das den Feedbackprozess auf vier Ebenen betrachtet und drei Fragen anspricht.

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  • Aufgabe

  • Prozess

  • Selbstregulation

  • Person/das Selbst

Mit letzterem ist die Person selbst, die Persönlichkeitsebene gemeint. Auf jeder dieser Ebenen können die drei wichtigsten Feedbackfragen beantwortet werden:

  • Feed up: Was ist mein Ziel? Wo soll es hingehen?

  • Feed back: Was habe ich schon geschafft? Wie gut komme ich voran?

  • Feed forward: Was sind die nächsten Schritte?

 Im Folgenden werden die vier Ebenen genauer betrachtet.

Vier Ebenen

Aufgabenebene: Mehr als nur „richtig” oder „falsch”

Gibt man Feedback auf der Ebene der Aufgabe, wird dem Lernenden rückgemeldet, ob eine Aufgabe richtig oder falsch gelöst wurde und inwieweit die Lösung korrekt bzw. vollständig ist. Es gibt den Lernenden Rückmeldung über das Ergebnis ihrer Bearbeitung und kann Hinweise enthalten, welche Aspekte der Aufgabe noch fehlen oder korrigiert werden müssen. Wirksames Feedback auf dieser Ebene geht über eine bloße Bewertung wie „richtig“ oder „falsch“ hinaus und liefert zusätzliche Informationen, etwa Hinweise auf Fehlerstellen, relevante Regeln oder geeignete Informationsquellen zur Lösung der Aufgabe (z. B. „Beachte das Rechenzeichen vor der Klammer“). Es ist besonders dann hilfreich, wenn vorhandenes Wissen der Lernenden noch ungenau oder fehlerhaft ist, jedoch grundsätzlich vorhanden. Gleichzeitig bleibt Feedback auf der Aufgabenebene eher auf der Oberfläche. Es geht dabei also nicht um ein Feedback, das Fehlvorstellungen korrigieren oder Verstehensprozesse und damit Tiefenlernen anregen soll. Um letzteres tun zu können, ist Feedback auf der Prozess- und Selbstregulationsebene nötig.

Lernprozessebene: Das „Wie” des Lernens verstehen

Die Prozessebene richtet den Blick auf die Verstehensprozesse und Strategien, mit denen Lernende eine Aufgabe bearbeiten. Im Unterschied zur Aufgabenebene wird hier nicht nur rückgemeldet, ob ein Ziel erreicht wurde, sondern auch, wie die Lösung zustande gekommen ist und warum Schwierigkeiten auftreten. Der Fokus verlagert sich damit vom „Was“ auf das „Wie“ des Lernens. Feedback auf dieser Ebene hilft, Fehlerursachen zu identifizieren, Fehlvorstellungen aufzudecken und geeignete Strategien zur Verbesserung zu entwickeln. Dies kann etwa durch Fragen geschehen, die den Lösungsweg in den Blick nehmen, beispielsweise wie die Aufgabenstellung verstanden wurde oder welche Schritte und Strategien bei der Bearbeitung genutzt wurden.

Weiter können Hinweise und Anregungen gegeben werden, die hilfreich sind, um den Prozess fortzusetzen.

Auf diese Weise können typische Fehler und zugrunde liegende Vorstellungen thematisiert werden (z. B. „Was sind typische Fehler bei …?“, „Woran erkenne ich den Fehler bei …?“, „Wie kann dieser Fehler künftig vermieden werden?“).

Ebene der Selbstregulation: Eigenverantwortliches Lernen fördern

Feedback auf der Selbstregulationsebene zielt darauf ab, Lernende dabei zu unterstützen, ihr eigenes Lernen zunehmend selbstständig zu steuern, zu überwachen und zu reflektieren. Im Mittelpunkt stehen dabei Prozesse der Selbstkontrolle, der Einschätzung des eigenen Verständnisses sowie der bewusste Einsatz von Lernstrategien. Die Lernenden sollen erkennen, inwiefern ihr aktueller Leistungsstand vom angestrebten Ziel abweicht und wie sie diese Diskrepanz durch eigenes Handeln verringern können. Feedback auf dieser Ebene regt daher zur Reflexion des eigenen Lernprozesses an und stärkt die Fähigkeit, Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen. Dies kann beispielsweise durch Fragen oder Hinweise geschehen, die zur Selbstüberprüfung anregen, etwa ob die eigene Lösung überprüft wurde, welche Strategie gewählt wurde oder wie sicher sich die Lernenden in Bezug auf ihre Antwort sind.

Ebene des Selbst: Vorsicht vor personenbezogenem Feedback

Feedback auf der Ebene des Selbst richtet sich auf die Person der Lernenden und nicht auf die Bearbeitung der Aufgabe oder den zugrunde liegenden Lernprozess. Rückmeldungen wie allgemeines Lob oder persönliche Bewertungen (z. B. „Du bist sehr gut“) enthalten nur wenige Informationen darüber, wie eine Leistung verbessert werden kann und gelten daher als die am wenigsten lernwirksame Form von Feedback. Die Effekte von Lob sind besonders dann negativ, wenn Lernende im Begriff sind zu scheitern oder wenn sie bereits teilweise die Lektion nicht verstehen. Zudem besteht die Gefahr, dass Lernende ihre Leistung als Bewertung ihrer Person wahrnehmen. Dennoch kann Lob zur Stärkung der Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden beitragen und so ein positives und fehlerfreundliches Lernklima unterstützen.

Die drei wichtigsten Feedbackfragen

Nach Hattie enthält Feedback eine Information über Lernen und ist am wirksamsten auf den Ebenen Aufgabe, Prozess und Selbstregulation. Deshalb wird im Folgenden die Ebene Selbst nicht weiter fokussiert. Auf jeder der drei Wirkebenen sollen die Feedbackfragen “Was ist/war mein Ziel? Wie bin ich vorangekommen? Wohin gehe ich als Nächstes?“ beantwortet werden.

  • Was ist/war mein Ziel?

    Mit dieser Frage sind Lernintentionen, Lernziele oder Erfolgskriterien verbunden, die den Schülerin-nen/Schülern eine Orientierung im Unterricht geben. Ohne ein klares Ziel bleibt Feedback wirkungslos, weil die Lernenden nicht erkennen, worin die Lücke besteht. Deshalb müssen Lehrkräfte Ziele festlegen und die Lernenden müssen sich darüber im Klaren sein, worin dieses Ziel besteht. Herausfordernde Ziele stehen nach Schneider und Maitzen (2019) in engem Zusammenhang mit Feedback:

    • Sie zeigen, welche Leistung angestrebt wird, und helfen, Anstrengungen gezielt auszurichten.

    • Werden erste Ziele erreicht, unterstützt Feedback dabei, neue, anspruchsvollere Ziele zu setzen.

    • Sind Ziele hingegen zu leicht oder bereits bekannt, bleibt der Effekt von Feedback gering.

 

  • Wie bin ich vorangekommen?

    Diese Frage richtet den Blick auf den Abstand zwischen dem aktuellen Lernstand und dem angestrebten Ziel. Entscheidend ist, welche Leistungen die Lernenden im Verhältnis zu diesem Ziel zeigen und wie sich ihr Fortschritt entwickelt. Feedback macht diesen Lernfortschritt sichtbar, indem es die Einschätzung der Lehrkraft zum individuellen Lernprozess widerspiegelt und zugleich die Selbstreflexion der Lernenden anregt. Klare Erfolgskriterien helfen dabei, den Fortschritt gezielt im Blick zu behalten. Um das Lernen in dieser Phase wirksam zu unterstützen, können Lehrkräfte:

    • Lernintentionen und Erfolgskriterien klären und transparent machen,

    • Klassendiskussionen gezielt fördern,

    • passende Aufgaben stellen und Fragen einsetzen,

    • konstruktives Feedback geben,

    • die Eigenverantwortung der Lernenden stärken,

    • kooperatives Lernen und gegenseitige Unterstützung anregen.

 

  • Wie komme ich dahin? Was sind die nächsten Schritte?

    Diese Frage zielt darauf, ein passendes nächstes Lernziel zu bestimmen und den weiteren Lernweg zu klären. Dabei sollten die Ziele möglichst nicht vorgegeben, sondern von den Lernenden selbst entwickelt werden, um ihre Selbstständigkeit zu fördern. Feedback unterstützt diesen Prozess, indem es konkrete Hinweise für die nächsten Schritte und die Weiterentwicklung von Kompetenzen gibt und zugleich bei der Formulierung neuer Ziele hilft.

Aus der Praxis

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