Konstellationen beim Feedbackgeben und -nehmen
Überblick
Feedback im Unterricht lässt sich danach unterscheiden, wer es gibt (Akteure) und in welche Richtung die Rückmeldung erfolgt. Im Kontext von Unterricht gibt es zwei Personengruppen, die Feedback geben oder annehmen können: die Lehrkräfte und die Schülerinnen/Schüler. Dadurch gibt es unterschiedliche Paarungen von Feedbackgeberinnen/-gebern und Feedbacknehmerinnen/-nehmern. Das kollegiale Feedback zwischen Lehrkräften wird im Folgenden nicht weiter berücksichtigt.
Im schulischen Alltag dominiert traditionell das Feedback der Lehrkraft an die Lernenden, das insbesondere der Begleitung und Unterstützung des Lernprozesses dient. Der umgekehrte Weg – Rückmeldungen der Lernenden an die Lehrkraft im Sinne einer formativen Unterrichtsevaluation/Diagnose – gilt nach John Hattie als besonders wirksam, da er eine gezielte Anpassung des Unterrichts an die Lernbedürfnisse ermöglicht.
Auch Peer-Feedback kann, sofern es angeleitet wird, eine lernwirksame Ergänzung darstellen. Darüber hinaus spielt die Selbsteinschätzung eine wichtige Rolle, indem Lernende ihr eigenes Lernen reflektieren, etwa mithilfe von Kriterienrastern oder Reflexionsbögen. Schließlich können Lehrkräfte systematisch Rückmeldungen der Lernenden zu ihrem Unterricht einholen (Schülerfeedback), um diesen weiterzuentwickeln.
Damit lassen sich im Unterricht folgende zentrale Feedbackformen unterscheiden:
Zentrale Feedbackformen
Lehrkraft- Lernende
Darunter wird jede Form der Rückmeldung einer Lehrkraft an Schülerinnen und Schüler in Bezug auf eine erbrachte Leistung verstanden. Lehrpersonen geben Lernenden traditionell sowohl mündliche als auch schriftliche Rückmeldungen. Im formativen Kontext dient Feedback als Orientierungshilfe während des Lernprozesses. Im summativen Kontext gibt es Auskunft über den erreichten Leistungsstand und trägt beispielsweise dazu bei, eine Benotung transparent zu begründen. Mögliche Ziele, die mit den Rückmeldungen der Lehrperson an die Lernenden verbunden sein können, sind:
Bereitstellung einer fundierten Fremdeinschätzung zu Leistungen, Lernprodukten und Lernprozessen
Orientierung für den weiteren Lernweg und Aufzeigen konkreter Entwicklungsmöglichkeiten
Unterstützung von Motivation und Lernbereitschaft durch wertschätzende und förderorientierte Rückmeldung
Stärkung des Selbstvertrauens durch Ermutigung und Bestätigung von Fortschritten
Förderung der Fähigkeit, Feedback aufzunehmen und produktiv zu nutzen
Gewinn von diagnostischen Informationen für die Lehrkraft über Lernstände, Lernprozesse und den Umgang mit Feedback
Lernende an Lehrkraft: Formative Unterrichtsevaluation / Diagnose (???)
Nach John Hattie zählt diese Form zu den wirksamsten Feedbackprozessen („Visible Learning“). Wenn Lernende rückmelden, was und wie sie verstanden haben, ermöglicht dies der Lehrkraft eine präzise formative Diagnose. Sie nimmt den Unterricht gewissermaßen „durch die Augen der Lernenden“ wahr und kann ihr didaktisches Handeln gezielt anpassen. Jede systematische, den Lernprozess begleitende Rückmeldung mit dem Ziel, Lernstand und Lernfortschritt zu erfassen, wird als formative Unterrichtsevaluation verstanden. Die gewonnenen Informationen fließen unmittelbar in die Weitergestaltung des Unterrichts ein.
Beispielfragen:
Was habt ihr verstanden?
Was habt ihr gelernt?
Was war in der letzten Phase für euch besonders wichtig?
Wie zufrieden seid ihr mit der letzten Phase?
Was ist gut bzw. weniger gut gelaufen?
Wie habt ihr die Übungsphase erlebt?
Lernende an Lernende (Peer-Feedback)
Unter Peer-Feedback versteht man jede systematische Rückmeldung von Lernenden an Lernende bezogen auf ein Lernprodukt oder einen Lernprozess. Gut angeleitet stellt es eine wertvolle Ressource dar. Es fördert sowohl fachliche Kompetenzen als auch die Reflexionsfähigkeit der Beteiligten. Neben der Lehrkraft bieten Mitlernende eine zusätzliche Perspektive auf das eigene Lernen. Schülerinnen und Schüler verfügen über eine besondere Expertise für Lernprozesse – insbesondere für ihr eigenes Lernen –, die gezielt genutzt werden kann. Ziele von Peer-Feedback können sein:
Ergänzung der Lehrkraftperspektive durch eine Rückmeldung auf Augenhöhe
Förderung der Fähigkeit, Rückmeldungen zu geben und anzunehmen
Unterstützung der Selbstreflexion durch kontrastierende Fremdeinschätzungen
Strukturierung von Feedbackprozessen (z. B. durch Kriterien oder schriftliche Formen)
Stärkung der Rolle der Lernenden als aktive Gestalter ihres Lernprozesses
Förderung von Selbstregulation und metakognitiven Fähigkeiten
Vertiefung der Auseinandersetzung mit Lernprozessen und -produkten
Steigerung von Motivation durch soziale Eingebundenheit (vgl. Selbstbestimmungstheorie)
Verbesserung der Lernatmosphäre und der Beziehungen innerhalb der Lerngruppe
Selbsteinschätzung
Selbsteinschätzung bezeichnet jede Form der Rückmeldung, die Lernende sich selbst in Bezug auf ihre Leistungen oder ihren Lernprozess geben. Dabei reflektieren sie ihr eigenes Lernen, beispielsweise mithilfe von Checklisten oder Kriterienrastern. Die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung ist ein zentraler Bestandteil der Selbstreflexion. Sich selbst Feedback zu geben bedeutet, das eigene Handeln auf einer Metaebene zu betrachten und bewusst zu bewerten. Ziele der Selbsteinschätzung können sein:
Entwicklung einer eigenständigen und realistischen Einschätzung des eigenen Lernens
Ergänzung externer Rückmeldungen durch eine persönliche Perspektive
Förderung von kritischem Denken und Reflexionsfähigkeit
Stärkung von Autonomie und Eigenverantwortung im Lernprozess
Wahrnehmung der eigenen Rolle als Expertin bzw. Experte für das eigene Lernen
Aufbau eines konstruktiven Umgangs mit den eigenen Stärken und Entwicklungsfeldern
Schülerfeedback
Feedback wird häufig individuell gegeben, um auf spezifische Lernbedürfnisse einzugehen. Es kann jedoch auch an die gesamte Lerngruppe gerichtet sein (Gruppenfeedback), etwa wenn typische Fehler auftreten oder gemeinsame Erfolge gewürdigt werden. Davon zu unterscheiden ist das Schülerfeedback zum Unterricht: Hierbei holen Lehrkräfte systematisch Rückmeldungen zu ihrem eigenen Unterricht ein. Dies dient der professionellen Reflexion und der gezielten Weiterentwicklung der Unterrichtsqualität. Es stellt somit ein zentrales Element einer lernförderlichen Schulkultur dar, in der Lehren und Lernen als gemeinsamer Prozess verstanden werden.
WEITERE INFORMATONEN FINDEN SIE HIER????