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Feedback_Sabine

Das vorliegende Beispiel veranschaulicht, wie KI-gestützte Rückmeldesysteme als integrativer Bestandteil eines mehrstufigen Schreibprozesses eingesetzt werden können, bevor eine abschließende Bewertung durch die Lehrkraft erfolgt. Die Lernenden generieren zunächst KI-basiertes Feedback, nutzen dieses zur gezielten Überarbeitung ihres Textes und reichen erst anschließend eine revidierte Fassung zur finalen Korrektur ein.

Ein solches Vorgehen unterstützt die Entwicklung selbstregulativer Kompetenzen, indem es die Lernenden dazu anleitet, Stärken und Schwächen ihrer Texte systematisch zu identifizieren und auf Grundlage der Rückmeldungen eigenständig zu bearbeiten. Der Schreibprozess wird dadurch nicht nur transparent gemacht, sondern auch als zyklischer Lernprozess erfahrbar, in dem Reflexion und Überarbeitung zentrale Funktionen einnehmen.

Grafik Feedback
Verfassen des Übungstextes

Die Lernenden verfassen den Übungstext zunächst eigenständig und ohne den Einsatz von KI, beispielsweise klassisch auf analogem Papier. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass der Text anschließend nicht unmittelbar zur Korrektur bei der Lehrkraft eingereicht wird. Stattdessen folgt ein zusätzlicher Schritt im Sinne einer „After-Writing“-Phase: eine Vor-Korrektur mithilfe von KI.

Damit die Schülerinnen und Schüler möglichst wertvolles Feedback erhalten, muss ihnen bewusst werden, dass der KI-Chatbot als Gesprächspartner fungiert, dem man auch Rückfragen stellen kann. Mit einer recht generellen Rückmeldung wie „Variiere deinen Satzbau“ können die meisten Lernenden wenig anfangen. Wenn sie aber zum Beispiel konkret nachfragen, an welchen Stellen sie wie den Satzbau variieren können, ist das viel hilfreicher.

Auch für die Lehrkraft ergeben sich deutliche Vorteile: Es werden erhebliche zeitliche Ressourcen eingespart, da im Idealfall grobe sprachliche Fehler bereits behoben und inhaltliche Lücken geschlossen sind. Die Lehrkraft kann sich folglich auf eine abschließende, vertiefende Einschätzung konzentrieren. Um transparent zu machen, welche Textteile von den Lernenden selbst überarbeitet wurden und welche auf KI-Unterstützung zurückgehen, werden unterschiedliche Farben verwendet.

Vorgehensweise bei der Anleitung der Lernenden

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, KI zu diesem Zwecke einzusetzen. Neben Anwendungen, bei denen die Lehrkraft bestimmte Kriterien für eine Schreibaufgabe hinterlegen kann und wo die Lernenden ihre Texte im Anschluss direkt hochladen, um Feedback einzuholen, gibt es auch die Möglichkeit, einen KI-Assistenten zu generieren, mit welchem die Schülerinnen und Schüler in den Dialog treten können. Es hat sich gezeigt, dass die Rückmeldungen dann weniger allgemein und sehr konkret formuliert sein können.

Damit die Lernenden Schritt für Schritt durch die Überarbeitung des eigenen Textes geführt werden, sollte im Vorfeld ein Chatbot dafür konfiguriert werden, dessen QR-Code dann zur Verfügung gestellt wird.

Entweder die Lehrkraft entscheidet sich für einen allgemeineren Bot, welcher für Textproduktionen verschiedener Art immer wieder verwendet werden kann, oder für einen auf die Aufgabe zugeschnittenen, sehr spezifischen (s. Beispiel mit telli). Der Chatbot lässt sich so konfigurieren, dass er die Schülerinnen und Schüler schrittweise durch den Arbeitsprozess führt. So können sie beispielsweise explizit dazu aufgefordert werden, einen grünen Stift zu verwenden und ausgewählte Korrekturen oder Ergänzungen in ihren handgeschriebenen Ausgangstext zu übertragen.

 Folgende Schritte sollte der Chatbot anleiten:

  • ggf. Nachfrage nach der konkreten Aufgabenstellung

  • Aufforderung, den selbst geschriebenen Text hochzuladen

  • Rückmeldung zu Inhalt

  • Rückmeldung zu Sprache (mit konkreten Verbesserungsvorschlägen)

  • Aufforderung, die Verbesserungsvorschläge in den selbstgeschriebenen Text per Hand zu übertragen (z.B. mit grünem Stift)

Das Erstellen geeigneter Prompts für solche Chatbots ist zunächst anspruchsvoll, insbesondere wenn sehr konkrete Vorstellungen darüber bestehen, welche Funktionen dieser erfüllen soll. Liegt jedoch bereits ein erprobter Prompt vor, der für eine bestimmte Aufgabenstellung funktioniert, kann dieser problemlos kopiert und an andere Kontexte angepasst werden.

Darüber hinaus stehen inzwischen auch spezielle Chatbots für Lehrkräfte zur Verfügung, die gezielt bei der Entwicklung passender Prompts unterstützen.

Ideen für Hintergrundwissen, auf welches die Chatbots Zugriff haben:

  • Kriterienraster des ISB für die entsprechende Stufe des GER

  • genaue Aufgabenstellung

  • bei Mediation: deutscher Ausgangstext

  • bei Fragen zum Text in der Oberstufe englischer Ausgangstext

  • Liste mit bekannten Möglichkeiten der Satzverknüpfung

  • Liste mit bekanntem themenspezifischen Vokabular

  • Liste mit bekannten Zeiten und sonstigen grammatikalischen Strukturen

  • Skills-pages zum Verfassen eines comment etc.

  • Erwartungshorizont bzgl. Bestimmter Inhalte / interkulturellem Wissen

Konversation mit dem Chatbot
  • Nach dem Verfassen der Textproduktion erhalten die Lernenden einen Link oder QR-Code, der sie direkt zu einem von der Lehrkraft eigens für die jeweilige Aufgabe angepassten Chatbot führt. Dieser fordert sie zunächst dazu auf, ihren Text einzufügen. Anschließend gibt die KI Rückmeldung zu zuvor definierten Kriterien, etwa zur Sprache – untergliedert in Wortschatz, Satzbau, Grammatik und Verständlichkeit – sowie zum Inhalt in Bezug auf Struktur und Überzeugungskraft.

  • Auf Grundlage dieses Feedbacks werden die Lernenden von der KI dazu angeleitet, Korrekturen und Verbesserungsvorschläge mit einem Farbstift in ihren handgeschriebenen Text zu übertragen. Damit übernehmen sie einen Arbeitsschritt, der im konventionellen Vorgehen der Lehrkraft zukommt. Erfolgt diese Überarbeitung eigenständig unter Anleitung der KI, ist der Lerneffekt erhöht, da die Lernenden ihren gesamten Text erneut reflektieren müssen und eine deutlich aktivere Rolle einnehmen als beim rein

    passiven Lesen einer Lehrerkorrektur. Erst im Anschluss wird der bereits überarbeitete Text bei der Lehrkraft zur zweiten Feedbackrunde eingereicht.

  • Die abschließende Korrektur durch die Lehrkraft erfolgt in rot und wird durch gezielte Anmerkungen ergänzt.

Feedback geben und Feedback nehmen

Die Qualität und der Nutzen des KI-Feedbacks hängen maßgeblich davon ab, inwieweit die Lernenden dieses Feedback auch aktiv annehmen und verarbeiten. Ein oberflächlicher Umgang mit der KI führt zwangsläufig zu oberflächlichen Ergebnissen. Umso entscheidender ist die motivierende und steuernde Rolle der Lehrkraft: Sie muss das Bewusstsein dafür schärfen, dass die Arbeit mit der KI einen wichtigen Schritt hin zu mehr Selbstständigkeit und Autonomie der Lernenden darstellt und dass ein reflektierter Umgang mit KI ein hohes Lernpotenzial birgt.

Eine wirksame Feedbackkultur, in der Rückmeldungen nicht den Endpunkt, sondern den Ausgangspunkt weiterer Überarbeitung bilden, muss dabei zunächst konsequent aufgebaut und nachhaltig etabliert werden, um ihre volle Wirkung entfalten zu können.

Stolpersteine

Da die von der Schule zur Verfügung gestellten KI-Tools, wie z. B. die ByCS-KI, aus Datenschutzgründen über keine Handschrifterkennung verfügen, kann es erforderlich sein, dass die Lernenden ihren Text zunächst abtippen müssen.

Zudem fällt die Rückmeldung der KI mitunter sehr allgemein aus, etwa in Form von Hinweisen wie: „Variiere deinen Satzbau“, ohne konkrete Verbesserungsvorschläge für einzelne Sätze zu liefern. Um diesem Umstand zu begegnen, sollte bei den Lernenden gezielt das Bewusstsein dafür geschärft werden, dass die KI als dialogischer Gesprächspartner genutzt werden kann und Rückfragen ausdrücklich möglich sind. So können sie beispielsweise um konkrete Überarbeitungsvorschläge für bestimmte Sätze bitten. Aus der allgemeinen Rückmeldung „Variiere deinen Satzbau“ wird so eine präzisere Handlungsanweisung, etwa: „Verwende statt because eine Partizipialkonstruktion, zum Beispiel im folgenden Satz:

Um eine Häufung der Konjunktion because zu vermeiden, wird ansatt „ I stayed at home because I was feeling sick.“  der folgende Vorschlag gegeben:  Feeling sick, I stayed at home.

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