Professionalisierung: Umgang mit der veränderten Unterrichtssituation
Aus den veränderten Anforderungen an das Unterrichten im digitalen Setting ergeben sich vielfältige Bedarfe für die Lehrkräfte – etwa bei der Bereitstellung digitaler Materialien, dem Umgang mit dem Ablenkungspotential oder der Etablierung konsistenter Workflows. Die Bewältigung dieser Aufgaben darf jedoch nicht dem individuellen Engagement einzelner Lehrkräfte überlassen bleiben. Vielmehr sollte die Schule den Erwerb notwendiger Fertigkeiten, Fähigkeiten sowie Einstellungen und Wissensbestände als systematische Schulentwicklungsaufgabe begreifen. Dies erfordert, dass Fortbildungsformate nicht nur punktuell stattfinden, sondern als langfristige Unterstützungssysteme innerhalb der Schule verankert sind, um eine kollegiale Absprache und ein einheitliches pädagogisches Handeln sicherzustellen.
Herausforderungen beim Unterrichten mit digitalen Endgeräten
Mit dem Einsatz digitaler Endgeräte entstehen neben den weitreichenden Potenzialen für die Gestaltung eines lernwirksamen Unterrichts neue Störungsquellen, die sowohl Disziplinprobleme als auch technische Schwierigkeiten umfassen (Brüning und Saum, 2022). Auch die empfundene Herausforderung für einzelne Lehrkräfte kann dazu führen, dass die Klassenführung leidet. Nach Brüning und Saum (2022, S. 88 ff) gefährden folgende Punkte die Reibungslosigkeit bei der Arbeit:
Lehrkräfte, die durch die Klassenführung bereits belastet sind, werden durch den Einsatz digitaler Endgeräte zusätzlich herausgefordert (Bolick/Bartels 2016, S.482 f). Dies hat folgende Konsequenzen:
Lehrkräfte, die bei der Nutzung technischer Geräte Handlungsunsicherheiten zeigen und dabei ihren Unmut offenbaren, wirken weniger kompetent, auch wenn sie fachlich sehr versiert sind. Dies schwächt ihre Autorität.
Die Lehrkraft selbst kann durch die Nutzung von Apps, Beamer, Tablet und Schülerendgeräten abgelenkt werden, was den Unterricht beeinträchtigt.
Außerhalb der Schule sind Schülerinnen und Schüler häufig in Interaktion mit ihrem Smartphone: Sie empfangen und beantworten Nachrichten, schauen Filme und kommentieren Inhalte, meist ohne äußere Steuerung. Arbeiten die Lernenden mit eigenen digitalen Endgeräten im Unterricht, erscheinen Meldungen unvermittelt auf dem Bildschirm und lenken Schülerinnen und Schüler ab. Daher erfordert der Einsatz digitaler Endgeräte im Unterricht feste Regeln und Routinen sowie eventuell technische Unterstützung, um dem Ablenkungspotenzial zu begegnen.
Technische Schwierigkeiten bei den Lehrergeräten sowie den Endgeräten der Schülerinnen und Schüler können den Unterrichtsfluss stören. Es ist notwendig, souverän damit umzugehen. Je mehr Unterrichtszeit auf die Behebung störender Aktivitäten verwendet wird, desto weniger Zeit bleibt für aktives Lernen.
Materialien zur Vorbereitung der Lehrkräfte und zur Reflexion der bestehenden Praxis
Die vorliegenden Materialien dienen als Grundlage eines Workshops zur Kassenführung mit Kollegien. Der Reflexionsbogen und die Checkliste können zur Vor- und Nachbearbeitung des Workshops verwendet werden.
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Kartendeck Klassenführung -
REFLEXIONBOGEN GUTES BILD
Kollegialer Austausch und Feedback
Austausch mit Kolleginnen und Kollegen und kollegiale Hospitation
Um sich mit der Technik im Klassenzimmer und den Geräten der Lernenden sicher zu fühlen, kann der kollegiale Austausch hilfreich sein. Die Lösungen anderer Lehrkräfte sind meist sofort und gewinnbringend umsetzbar. Regelmäßige Austauschformate und Unterstützungsangebote (z. B. Beratungssprechstunden) sowie systematisch durchgeführte kollegiale Hospitationen bieten einen Mehrwert in der Multiplikation und führen zu erhöhter Handlungssicherheit bei den Lehrkräften.
Absprachen über Interventionsmaßnahmen
Regelverstöße können auch bei einer souveränen Klassenführung auftreten. Deshalb ist es wichtig, innerhalb der Schulgemeinschaft Absprachen über Interventionsmaßnahmen zu treffen. Es kann hilfreich sein, einheitliche Maßnahmen-Kataloge an der Schule zu etablieren. Der Grad der Regulierung, den eine Schule anstrebt, hängt von unterschiedlichen Bedürfnissen und Gegebenheiten ab und sollte im Vorfeld gemeinsam festgelegt werden.
Schülerfeedback
Durch die Einbeziehung von Schülerfeedback können Lehrkräfte gezielt ihre Unterrichtspraktiken verbessern und eine lernförderliche Umgebung schaffen, die auf die Bedürfnisse der Lernenden abgestimmt ist.
Interne Evaluation
In BETSIE kann eine Befragung zum Ist-Stand im Bereich der Klassenführung und der erforderlichen pädagogischen Rahmenbedingungen aus bereits bestehenden, thematisch unterschiedlich ausgerichteten Bausteinen individuell zusammengestellt werden. Eigene Fragen können zusätzlich ergänzt werden.
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DSDZ: Unterricht weiterentwickeln
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DSDZ: Schule kooperativ gestalten
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Unterrichtsqualität