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Kognitivismus

Der Kognitivismus versteht Lernen als einen aktiven und individuellen Informationsverarbeitungsprozess, der in der Regel auf vorhandenem Vorwissen aufbaut. Bestehende Gedächtnisstrukturen werden umorganisiert und durch neue Lerninhalte erweitert.

In diesem Beitrag erhalten Sie einen Einblick, wie Lernen im Sinne des Kognitivismus abläuft. Und Sie erfahren, wie Sie Lernprozesse in der Praxis fördern.

Lernen als Informationsverarbeitung

Kognitive Prozesse beim Lernen

Ab den 1970er Jahren entwickeltes sich der Kognitivismus als neue lerntheoretische Perspektive. Im Gegensatz zum Behaviorismus befasst er sich mit den kognitiven Prozessen, die beim Lernen ablaufen. Dazu gehören Wahrnehmungs-, Denk- und Gedächtnisprozesse. Lernen wird als aktiver, individueller Informationsverarbeitungsprozess verstanden, der in der Regel auf vorhandenem Vorwissen aufbaut.  Bereits bestehende Gedächtnisstrukturen werden umorganisiert und durch neue Lerninhalte erweitert.

© istock.com/ArtemisDiana

Lernen als Wissenserwerb

Aus Sicht des Kognitivismus bedeutet Lernen somit Wissenserwerb. Dabei wird unterscheiden zwischen Sachwissen und Handlungswissen:

  • Sachwissen (deklaratives Wissen) meint Faktenwissen.

  • Handlungswissen (prozedurales Wissen) ist Wissen darüber, wie man etwas tut, also wie man z.B. eine Aufgabe bzw. ein Problem löst.

Lernen mit Computerprogrammen und KI

Entwicklungen im 20. Jahrhundert

Frühe Entwickler des computergestützten Lernens wollten das programmgesteuerte Lernen verbessern, indem sie die Ideen des Kognitivismus nutzten. In den 1980er Jahren wurden künstlich-intelligente Systeme getestet, um das Wissen der Lernenden zu diagnostizieren und festzulegen, welche Lektion oder Übung als Nächstes angezeigt wird. In den 1990er Jahren hatte man große Hoffnungen in intelligente tutorielle Systeme gesetzt, aber die präzise Diagnose des Lernstands erwies sich lange Zeit als schwierig und die Möglichkeiten dieser Systeme wurden trotz vieler Studien unterschiedlich bewertet.

© istock.com/Axel2001

Neue Chancen durch KI

Hatties Metastudie belegt den positiven Effekt von Tutoringsystemen auf den Lernerfolg. Durch die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz ergeben sich besonders in den MINT-Fächern und den Fremdsprachen neue Möglichkeiten. Vor allem in Mathematik, Physik, Chemie und auch beim Vokabellernen in einer Fremdsprache ist der Einsatz intelligenter tutorieller Systeme wirkungsvoll. Jedoch stoßen diese Systeme bei Themen ohne klare Antwortformate, wie Transfer, Problemlösung oder Wertediskussionen, weiterhin an Grenzen.

Bisher gibt es nur wenige adaptive Lernprogramme, die bundesweit zum Einsatz kommen, beispielsweise Bettermarks im Fach Mathematik oder Area 9 Lyceum in verschiedenen Fächern. Diese Lernprogramme sind kostenpflichtig und werden in Pilotversuchen erprobt.

Tipps für die Praxis

Die Erkenntnisse des Kognitivismus sind auch in der täglichen Unterrichtspraxis von Bedeutung. Aus dieser Perspektive gibt es einige wichtige Grundsätze für erfolgreiches Lernen:

Bilder unterhalb dieses Akkordeons ändern sich je nach offenem Akkordeon Eintrag.

Damit Schülerinnen und Schüler den Unterrichtsinhalt aufnehmen können, ist es wichtig, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen und ihre Motivation zu fördern.

Beginnen Sie Ihre Unterrichtsstunde mit einem Impuls, der interessant, überraschend oder provokativ ist und an ihre Lebenswelt anknüpft. Gestalten Sie den Unterricht abwechslungsreich.

Um das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler zu aktivieren, können Sie bei jedem Thema zunächst ein Brainstorming in Form einer Wortwolke, einer Mindmap oder einer kleinen Umfrage durchführen. Digitale Apps eignen sich ebenfalls gut für diese Phase.

Dadurch können neue Lerninhalte mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft werden.

Machen Sie den Schülerinnen und Schülern klar:

  • Was müssen sie am Ende wissen/ können, damit das Lernziel erreicht ist?

  • Wie viel Zeit steht dafür zur Verfügung und welche Hilfsmittel dürfen eingesetzt werden?

Um den Aufbau von Wissensstrukturen zu erleichtern, sollten Sie die Lerninhalte im Voraus strukturieren. Übersichten wie Advance Organizer zum aktuellen Lernthema können dabei hilfreich sein.

Achten Sie außerdem auf eine übersichtliche Gestaltung und Gliederung Ihrer Lernumgebung (z.B. mebis-Kurs).

Verdeutlichen Sie den Lernenden immer wieder, dass neue Lerninhalte mehrfach wiederholt werden müssen, um im Langzeitgedächtnis zu bleiben.

Dabei sollten die Lerninhalte in verschiedenen Anwendungskontexten eingeübt werden.

Erklären Sie den Schülerinnen und Schülern, wie man lernt. Vermitteln Sie verschiedene Lernstrategien und lassen Sie sie ausprobieren und reflektieren, um Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen. Meta-kognitive Strategien sind sehr wichtig für den Lernerfolg!

Lernförderliche Gestaltung digitaler Materialien

Die Gestaltung von (digitalen) Materialien und Lernumgebungen sollte kognitive Aspekte berücksichtigen. Das Thema im Fokus „Lernförderliche Gestaltung digitaler Materialien” bietet hilfreiche Tipps und Anregungen dazu.

Lernförderliche Gestaltung digitaler Materialien

Gestalten Sie digitale Unterrichtsmaterialien, die erfolgreiches Lernen ermöglichen. Wie das geht? Dazu erhalten Sie in diesem Thema im Fokus nicht nur zentrale theoretische Hintergründe: Wir bieten Ihnen konkrete Tipps und Tricks zur lernförderlichen Gestaltung eigener Materialien. Die Texte basieren auf fundierten Forschungsergebnissen und sind mit konkreten Praxisbeispielen angereichert. Wir zeigen, wie Sie etwa Präsentationen, Arbeitsblätter, Videos oder interaktive Grafiken gestalten, um Lerninhalte nachhaltig zu vermitteln.

Kritik und Alternativen

Der Kognitivismus wird gelegentlich dafür kritisiert, dass er soziale, motivationale und emotionale Faktoren, die für das Lernen wichtig sind, vernachlässigt. Im Gegensatz dazu berücksichtigt der Konstruktivismus auch diese Aspekte.

Im Gegensatz zum Kognitivismus legt der Behaviorismus keinen Fokus auf die kognitiven Prozesse, die beim Lernen ablaufen. Stattdessen geht es darum, Verhalten durch die Konsequenzen zu steuern, die auf ein gezeigtes Verhalten folgen.

Pragmatismus statt Ideologie

Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus - Was ist denn nun der „richtige” lerntheoretische Ansatz? Löst ein neuerer Ansatz die älteren ab und macht diese überflüssig?

NEIN, sagt der „Pragmatismus”: Die Ansätze schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich und setzen jeweils einen unterschiedlichen Fokus auf das Lernen. Je nachdem, welche Bildungsziele man verfolgt, hat der eine oder der andere Ansatz Vorteile.

Gute Lehrkräfte nutzen die Erkenntnisse verschiedener Lerntheorien und suchen abhängig von ihren vorrangigen Lernzielen die jeweils beste Methode und passende Medien aus.

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