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Hate Speech - Folgen und Schäden

Hate Speech hat negative Folgen auf den direkt beteiligten Personenkreis (Betroffene, Beobachtende, Ausübende). Insgesamt hat eine veränderte Kommunikationskultur jedoch auch schädliche Auswirkungen auf gesellschaftliche Prozesse.

Die Studienlage zu den Folgen von Hate Speech stellt sich noch unzureichend dar. Daher werden im wissenschaftlichen Diskurs oft Erkenntnisse aus angrenzenden Forschungsbereichen wie der Mobbing- und Diskriminierungsforschung miteinbezogen. (Vgl. Wachs, Ballaschk & Krause, 2022)

Folgen für die Beteiligten

© istock.com/Chinga_11

Analog zum Mobbing-Dreieck lassen sich die Beteiligten an Hate Speech ebenfalls in Betroffene, Beobachtende und Ausübende einteilen. Das Erleben oder Ausüben von Hate Speech hat für alle drei Personengruppen Auswirkungen auf der Individualebene.

Die langfristigen Auswirkungen von Hate Speech hängen von der individuellen Persönlichkeit und den vorausgegangenen Erfahrungen der Betroffenen ab. Negative Effekte zeigen sich vor allem auf das Selbstbewusstsein und die allgemeine Wahrnehmung von Stress und Anspannung. Verletzende Online-Kommentare führen zu einer kontinuierlichen Abwertung der eigenen sozialen Identität. In der Folge kann diese aus Scham oder als Schutzmechanismus verleugnet oder abgelegt werden.

Für den schulischen Kontext sind Befunde über die Auswirkungen von Hate Speech auf Jugendliche von besonderem Interesse. Heranwachsende mit Diskriminierungserfahrungen haben ein höheres Risiko

  • psychologische Auffälligkeiten zu entwickeln

    (z. B. Angststörungen, Depressionen, selbstverletzendes Verhalten, geringes Selbstvertrauen),

  • sich risikoreicher zu verhalten

    (z. B. Drogenkonsum, risikoreiches Sexualverhalten),

  • Probleme im schulischen Kontext aufzuweisen

    (z. B. geringe schulische Leistung, niedrige Lernmotivation, hohe Fehlzeiten).

(Vgl. Wachs, Ballaschk & Krause, 2022)

Bei Jugendlichen und Heranwachsenden kann die Begegnung mit Hate Speech negative Emotionen auslösen. Jüngere Jugendliche reagieren hier eher mit Traurigkeit, während Ältere eher wütend werden, wenn sie Hate Speech wahrnehmen.

Es lassen sich jedoch auch geschlechtsspezifische Unterschiede feststellen. Jungen fühlen sich tendenziell weniger durch Hate Speech gestört. Mädchen hingegen zeigen häufig negative Emotionen. Als Erklärungsansatz wird hier unter anderem angenommen, dass Mädchen generell empathischer reagieren und sich eher in die Betroffenen hineinversetzen können.

(Vgl. Wachs, Ballaschk & Krause, 2022)

Hate Speech führt bei den Ausübenden in der Regel nicht dazu, dass diese ihre Aggressionen abbauen. Vielmehr verstärkt sich der Hass gegen bestimmte Menschengruppen noch mehr.

Innerhalb von Online-Communities kann sich extremistisches Gedankengut akkumulieren und verstärken. User, die sich in Gruppen mit einem recht homogenen Meinungsklima bewegen, äußern nur selten ihre gegenteiligen Ansichten, weil sie Konflikten mit der vermeintlichen Mehrheitsmeinung aus dem Weg gehen wollen. (Vgl. Wachs, Ballaschk & Krause, 2022)

Den Ausübenden droht zudem eine strafrechtliche Verfolgung. Einen Überblick über gesetzliche Grundlagen sowie deren Ahndung finden Sie hier:

Hate Speech - eine rechtliche Einordnung

Folgen für die Gesellschaft

© istock.com/Trifonenko

Hate Speech hat nicht nur Auswirkungen auf die direkt Beteiligten. Es ist auch ein Problem für die Allgemeinheit, dass sich in verschiedenen gesellschaftlichen Veränderungen widerspiegelt.

Die Amadeu Antonio Stiftung sieht in der Sprache die Vorbereitung für das Handeln. „Hate Speech ist das motivierende Hintergrundrauschen zum gelebten Gewaltexzess.“ (Amadeu Antonio Stiftung, 2015)

Prominente Fälle, die großes Aufsehen in der medialen Berichterstattung erhielten, stützen diese These. So wird die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübke oft in Verbindung mit vorhergehenden Hate Speech-Kampagnen im Internet gebracht. Durch seine Haltung in der Flüchtlingskrise 2015 war er zu einer Zielscheibe von Feindseligkeiten aus dem rechtsextremistischen Spektrum geworden. (Vgl. Apostel, 2019)

Ausübende von Hate Speech fühlen sich oft einer bestimmten Online-Gruppe zugehörig. Die Mitglieder teilen ihre ausgrenzende und feindliche Haltung gegenüber einer anderen Gruppe. Innerhalb der Gruppe verstärken sich Meinungen und Weltbilder sowie die Abgrenzung zur Fremdgruppe. Das führt zu einer Entindividualisierung von Angehörigen der Zielgruppe von Hate Speech. Die Menschen werden weniger als Person gesehen, sondern stehen stellvertretend für die abgelehnte Gruppe. Dadurch werden innergesellschaftliche Konflikte befeuert und der gesellschaftliche Zusammenhang unterminiert. (Vgl. Gräßer & Stienen, 2017; Schwertberger & Rieger, 2021)

Die Bedeutung Sozialer Netzwerke bei politischen und gesellschaftlichen Diskursen hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Einerseits tragen sie daher in erheblichem Maße zur Meinungsbildung bei. Anderseits werden Soziale Netzwerke auch gerne zur Einschätzung eines gesellschaftlichen Meinungsklimas herangezogen. (Vgl. Schwertberger & Rieger, 2021; Sponholz, 2021)

Hate Speech kann hier bereits quantitativ zu einer Verzerrung führen. Durch das zunehmende Vorkommen von Hate Speech in Online-Angeboten ziehen sich viele Menschen aus dem politischen Diskurs im Internet zurück, weil sie Angst haben, selbst zur Zielscheibe zu werden. Wenn jedoch keine kritischen Gegenkommentare verfasst werden, spiegelt das der Minderheit falsche Mehrheitsverhältnisse vor und führt zu einer Bestätigung in deren Weltbild. Eine Analyse aus dem Jahr 2018 kommt zu dem Schluss, dass 50 Prozent aller Likes für Hasskommentare auf Facebook von nur 0,02 Prozent der monatlichen Facebook-User abgegeben wurden (Kreißel, Ebner, Urban & Guhl 2018).

Sowohl die vermehrte Sichtbarkeit durch Onlineangebote als auch ein politischer Rechtsruck bzw. die Wahlerfolge rechtspopulistischer Parteien in ganz Europa führen zu einer zunehmenden Akzeptanz von Hate Speech. Laut einer Studie der ILGA Europe 2020 führt trans- und homofeindliche Hate Speech durch politische Akteure zu einem europaweiten Anstieg von Hassgewalt gegen Mitglieder der LGBTQ-Community. (ILGA Europe 2020)

Vor allem wenn öffentliche Personen Abwertungen und Beleidigungen verwenden, führt dies zu einer zunehmenden gesellschaftlichen Akzeptanz und Wahrnehmung als legitimes Mittel der Meinungsäußerung. Die Grenzen zwischen normaler Diskussionskultur und Hate Speech wird durchlässiger.

Von besonderer Bedeutung sind die Einflüsse von Hate Speech auf journalistische Angebote. Auch Nachrichtenplattformen bieten mittlerweile großflächig Diskussionsbeteiligungen für Leserinnen und Leser an und greifen dabei auf Werkzeuge aus den Sozialen Netzwerken (z. B. Like- und Share-Buttons) zurück. Finden sich jedoch inzivile Ausdrucksweisen und Hate Speech in Kommentarbereichen zu Nachrichtenbeiträgen, wird die Glaubwürdigkeit und Qualität des Betrags durch die Lesenden als geringer eingeschätzt. (Schwertberger & Rieger, 2021)

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