Fazit und Ausblick
Lesen, Schreiben und Rechnen sind elementare Kulturtechniken. Im deutsch- wie auch im englischsprachigen Raum dominieren seit den 70er-Jahren Ansätze, die z.B. digital literacy als „neue Kulturtechnik“ zusätzlich zu den vorliegenden auffassen. Dabei ist es für das Verstehen der Informationen irrelevant, ob sie analog oder digital gespeichert bzw. übermittelt werden (vgl. Kerres 2017). Lesen, Schreiben und Rechnen verweisen auf Modi der Erschließung von Wissen, das immer in bestimmter Weise codiert ist. Die zu entwickelnde Fähigkeit besteht also darin, die verwendeten Symbolsysteme (Lesen und Schreiben beziehen sich z.B. auf das Symbolsystem „Text“) zu verstehen und sie rezeptiv und produktiv zu nutzen (vgl. Weidenmann 1997).
Demzufolge kann Digitalisierung nicht losgelöst betrachtet werden, sondern wird vielmehr dadurch bedeutsam, dass sie alle anderen Kulturtechniken maßgeblich durchdringt und prägt. Natürlich sei, wie bereits an anderer Stelle angeklungen, auf die erweiterten Möglichkeiten digitaler Technik verwiesen: z.B. multimediale Informationen im digitalen Medium inkludieren, über Links auf andere Informationen zu verweisen oder Kommentare zu hinterlassen (vgl. Kerres 2017). Gerade auch deshalb ist es entscheidend, dass im Sinne einer guten Schulentwicklung, umsetzbare und von allen Mitwirkenden mitgetragene Mediencurricula entstehen, in denen Leseförderung als zentraler Baustein verankert ist.
Daneben sollten die vielfältigen Angebote und Programme, die im Bereich der Leseförderung bereits parallel existieren, evaluiert und auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden, damit besonders wirksame Maßnahmen „in die Fläche gebracht und für zukünftige Angebote genutzt werden können“ (vgl. KMK 2018).
Lesen bleibt in einer digitalisierten Welt wichtig, bzw. gewinnt sogar an Bedeutung. Allerdings werden die Sprachen (auch) andere und pluralistischer sein. Während der Inhalt erfasst werden sollte, ist der Kontext spannend und entscheidend. Der Umgang damit ist im Curriculum verankert und Handwerkszeug für lesekompetente, souveräne Schüler. Dafür brauche es, um es mit Prof. Schier zu formulieren, „eine digital-analoge Balance bei der Auswahl und dem Einsatz von Lehr- und Lern(werk)zeugen.“ (Schier 2018)
Sowohl beim digitalen als auch beim analogen Lesen ist eine sehr gut ausgebildete Leseflüssigkeit Prämisse. In welcher Form ein Leser den Text dann konsumieren möchte, liegt an eigenen Erfahrungen und Wünschen, den hier aufgeführten Vor- und Nachteilen bzw. Herausforderungen und Chancen sowie der Verfügbarkeit eines Textes. Entscheidend ist dabei aber die Kompetenz, durch vielfältige Erfahrungen im Umgang mit analogen und digitalen Texten, Wissen über die Unterschiede erlangt zu haben und darüber hinaus erforderliche Lerntechniken, -strategien auszuprobieren, regelmäßig zu praktizieren und schließlich zu kennen.
Gerade auch deshalb ist es entscheidend, dass im Sinne einer guten Schulentwicklung, umsetzbare und von allen Mitwirkenden mitgetragene Mediencurricula entstehen, in denen Leseförderung als zentraler Baustein in verschiedenen Fächern verankert ist.