Anpassung der Klassenführung an die veränderte Ausstattung
Auch im technologiegestützten Unterricht bleibt eine effektive Klassenführung von zentraler Bedeutung und sollte nicht als Selbstzweck betrachtet werden. Sie ist vielmehr eine wesentliche Voraussetzung, um anspruchsvollen Unterricht erfolgreich zu gestalten. Eine kompetente Klassenführung umfasst sowohl die Minimierung von Störungen während des Unterrichts als auch die schnelle Reaktion auf auftretende Störungen. Darüber hinaus ist es wichtig, eine strukturierte Lernumgebung zu schaffen, die die Schüler motiviert, sich über längere Zeiträume intensiv mit den Lernaktivitäten auseinanderzusetzen.
Beschreibung effektiver Klassenführung in der 1:1-Ausstattung
Erfolgreiche Klassenführung bedeutet, den Unterricht so zu steuern, dass wenige Störungen auftreten, Unterrichtszeit effektiv genutzt wird und ein positives Lernklima herrscht, welches auf einer vertrauensvollen und wertschätzenden Beziehung zwischen der Lehrkraft und ihren Schülerinnen und Schülern aufbaut.
Im digitalen Unterricht ist ein bewusster Umgang mit Ablenkungspotenzialen unerlässlich. Lehrkräfte entwickeln Strategien diese zu minimieren, indem sie präventiv sowie lernwirksame Maßnahmen wie z.B. die Einführung von Ritualen zur Lenkung der Aufmerksamkeit in ihrer Unterrichtsplanung nutzen. Einsatzbereite Geräte einzufordern ist Voraussetzung des Unterrichts im 1:1-Setting. Feste Regeln und eingeübte Rituale in den verschiedenen Bereichen wie digitale Kommunikation, Arbeitsweise und Erreichbarkeit helfen, Störungen und Probleme zu minimieren. Bei Bedarf wird auf diese angemessen reagiert und bei der Lösung gegebenenfalls ein schulinternes Unterstützungssystem und die Erziehungsberechtigten einbezogen.
Die digitalen Materialien und Medien sind sorgfältig aufbereitet und für die Lernenden leicht zugänglich. Sie sind auf einer Lernplattform oder in einer Dateiablage übersichtlich strukturiert, so dass die Lernenden sie schnell finden können. Durch etablierte Routinen sowie klaren Arbeitsaufträgen im Bezug auf digitalen Geräten wird ein flüssiger und effektiver Unterrichtsablauf sichergestellt. Technische Hürden wurden im Vorfeld beachtet, indem Bedienkompetenzen gezielt vorab eingeübt werden und Passwörter den Lernenden bekannt. Der Fokus auf die Lerninhalte gelenkt und eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Lernmaterial gefördert.
Alle am Lernprozess Beteiligten kommunizieren und reagieren aktiv in digitalen Lernräumen, wobei die soziale Interaktion auch in der virtuellen Umgebung von großer Bedeutung ist. Wertschätzende soziale Interaktionen werden gezielt gefördert, z. B. durch Feedbackmethoden, die den Austausch und das Feedback zwischen Lehrenden und Lernenden unterstützen. Lehrende fungieren als Vorbilder in ihrer Arbeitsweise und für ein gutes Miteinander.
Vorbereitung und Reflexion der Unterrichtspraxis
Um sich auf die veränderte Situation im Klassenzimmer vorzubereiten, ist es sinnvoll:
Die neuen Anforderungen im 1:1-Setting zu verstehen und Strategien für einen erfolgreichen Umgang damit zu entwickeln.
Anhand beobachtbarer Verhaltensindikatoren zu erkennen, was eine lernfördernde Klassenführung ausmacht.
Sich der Rahmenbedingungen sowie der eigenen Kompetenzen im Umgang mit den digitalen Werkzeugen bewusst zu werden.
Zur gezielten Vorbereitung finden Sie hier Reflexionsfragen, mit deren Hilfe Sie sich auf die veränderte Situation einstellen und daraus konkrete Handlungsideen entwickeln können. Im Folgenden erhalten Sie zudem hilfreiche Tipps von erfahrenen Lehrkräften zur praktischen Umsetzung.
Wenn Sie schon (erste) Unterrichtserfahrung gesammelt haben, können die vorliegenden Karten und die konkreten Tipps weitere wichtige Impulse für die Reflexion der eigenen Klassenführung bieten.
Kollegialer Austausch und Feedback
Austausch mit anderen Kollegen
Regelverstöße werden auch bei einer souveränen Klassenführung immer auftreten. Die Möglichkeiten, die Tablets bieten, sind für Lernende äußerst verlockend und sie verspüren daher oft den Drang , diese auszuprobieren. Deshalb ist es wichtig, innerhalb der Schulgemeinschaft Absprachen über Interventionsmaßnahmen und deren Intensität zu treffen. An einigen Schulen oder Schularten kann es notwendig sein, einheitliche Regelverstoß-Kataloge zu etablieren, während dies an anderen Schulen als kontraproduktiv empfunden werden könnte. Der Grad der Regulierung, den eine Schule anstrebt, hängt von unterschiedlichen Bedürfnissen und Gegebenheiten ab und sollte im Vorfeld gemeinsam festgelegt werden. Nutzen Sie daher den kollegialen Austausch.
Um sich mit der Technik im Klassenzimmer und den Geräten der Lernenden sicher zu fühlen, hilft ebenfalls oft der kollegiale Austausch. Da die Bedingungen einer Schule oft sehr spezifisch sind, sind die Lösungen anderer Lehrkräfte oft sofort und gewinnbringend umzusetzen; aber dafür muss man von diesen Lösungen wissen.
Schülerfeedback und kollegiale Hospitation
Durch die Einbeziehung von Schülerfeedback können Lehrkräfte gezielt ihre Unterrichtspraktiken verbessern und eine lernfördernde Umgebung schaffen, die auf die Bedürfnisse der Lernenden abgestimmt sind. Ein strukturierter Hospitationsbogen kann dabei helfen, gezielt Aspekte der digitalen Klassenführung zu beobachten und konstruktives Feedback zu geben.
Interne Evaluation
In BETSIE, kann eine Befragung zum Ist-Stand im Bereich der Klassenführung und der erforderlichen pädagogischen Rahmenbedingungen aus bereits bestehenden, thematisch unterschiedlich ausgerichteten Bausteinen individuell zusammengestellt werden. Eigene Fragen können zusätzlich ergänzt werden.
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DSDZ: Unterricht weiterentwickeln
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DSDZ: Schule kooperativ gestalten
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Unterrichtsqualität