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Erklärvideos mit Lernenden an einem Förderzentrum gestalten

Häufig werden im Unterricht der Förderschule Erklärvideos eingesetzt, um den Lernenden die Möglichkeit zu geben, in ihrem eigenen Tempo zu arbeiten. Doch ist es auch möglich, dass Förderschülerinnen und Förderschüler selbständig Lernvideos produzieren? Im folgenden Artikel erfahren Sie, wie Sie einen solchen Lernprozess begleiten und mit vorbereitetem Material im Unterricht anleiten können.

Welche Voraussetzungen sind wichtig?

Mit einer entsprechenden Vorbereitung sind auch Lernende am Förderzentrum in der Lage, selbstständig Erklärvideos zu produzieren. Vor allem beim Erstellen des Storyboards benötigen sie jedoch Hilfe durch Lehrkräfte oder andere Lernbegleiter. Bei den Aufnahmen der Erklärvideos können Schülerinnen und Schüler aus den oberen Klassenstufen mit technischen Kenntnissen die Lernenden unterstützen.

  • Lächelnder Mann mit Brille, der auf ein Tabelt in seiner Hand deutet
    © istock.com/Volhah (bearbeitet)

    Nach welchen Kriterien werden die Gruppen zusammengestellt?

    Es hat sich bewährt, höchstens drei Schülerinnen oder Schüler in einer Gruppe zusammenarbeiten zu lassen.

    Werden die Gruppen nach Leistungsstärke zusammengestellt, kann die Aufgabenstellung und das dargebotene Material an die Kompetenzen der Gruppe angepasst werden. Gruppen aus Lernenden mit unterschiedlichem Niveau unterstützen einander. Dabei ist darauf zu achten, dass vorher die Rollen und deren Aufgaben in der Gruppe genau festgelegt werden, damit alle Gruppenmitglieder mitarbeiten.

  • Wer kann die Lehrkraft in den betreffenden Stunden unterstützen? (I)

    Für die Zusammenstellung des Inhaltes eines Erklärvideos benötigen die Lernenden an einem Förderzentrum Unterstützung durch erwachsene Personen. Ideal ist es, wenn in dieser Phase jede Gruppe Hilfe von einer Lernbegleiterin oder einem Lernbegleiter erhält. In Frage kommen Fachlehrerinnen und Lehrer, Bundesfreiwilligendienstleistende, Praktikantinnen und Praktikanten, Tandem- bzw. Differenzierungslehrkräfte oder Kolleginnen und Kollegen, deren Stunden im Rahmen einer Projektwoche zur Verfügung stehen.

  • Wer kann die Lehrkraft in den betreffenden Stunden unterstützen? (II)

    Geübte Schülerinnen und Schüler sind während der Filmaufnahmen eine große Hilfe und unterstützen die Gruppen. Im Rahmen des Berufsvorbereitenden Unterrichts (BLO) oder in Neigungskursen eignen sie sich die notwendigen Fähigkeiten an. Einige Schülerinnen und Schüler drehen auch in ihrer Freizeit Filme und geben ihr Wissen gerne an die Klasse weiter.

    Jahrgangsübergreifend entsteht so eine Gruppe von Jugendlichen, die als Expertinnen und Experten die Aufnahme von Erklärvideos unterstützen können.

Was hat sich in der Praxis bewährt?

In der Praxis hat es sich bewährt, den Schülerinnen und Schülern ein Format für die Erklärvideos vorzugeben. Anhand eines Beispielvideos werden mit der Klasse vorab die Kriterien für ein gutes Erklärvideo erarbeitet. Im Internet finden sich zu den verschiedensten Techniken Beispiele, doch häufig geht es schneller, als Lehrkraft das Video selbst passend zur Unterrichtsgruppe und zum Lernziel zu erstellen.

Zum Einstieg eignet sich für alle Altersstufen das Gestalten von Legetrickfilmen sehr gut. Die Gruppen arbeiten entsprechend ihres Niveaus und es findet eine innere Differenzierung statt. Außerdem ist diese Form der Erklärvideos in relativ kurzer Zeit umzusetzen und die Lernenden müssen kein neues Tool erlernen. Da der Ton im Nachhinein aufgenommen werden kann, haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, die Tonaufnahme häufig zu wiederholen.

Eine weitere, einfach zu realisierende Form stellt das Gestalten eines Erklärvideos mit Hilfe eines Präsentationstools dar, die Vertonung erfolgt ebenfalls im Anschluss. Für die Einführung des Präsentationswerkzeugs muss allerdings wieder zusätzliche Zeit eingeplant werden.

Als inhaltliche Entlastung kann das Gestalten von Erklärvideos zuerst anhand einer einfachen Bastelarbeit, bei der die Schritte bekannt sind, geübt werden. Dabei konzentrieren sich die Kinder nur auf die einzelnen Arbeitsschritte, die sie sprachlich begleiten. Vor dem Dreh hat es sich bewährt, dass die Lernenden unter der Dokumentenkamera vor der Klasse ihr Video vorspielen und direkt Feedback erhalten.

Welche Differenzierungsmöglichkeiten gibt es?

Für die Lernenden am Förderzentrum stellen besonders das Schreiben der Texte und die Vertonung der Videos eine große Herausforderung dar. Von der Lehrkraft zur Verfügung gestellte Texte, die in Länge und Komplexität der Sätze variieren, liefern hierbei die nötige Unterstützung. Passende Videos ergänzen die Informationen aus den Texten. Der Einsatz von Leitfragen hilft den Lernenden beim Schreiben des Storyboards und dem anschließenden Filmen. Je häufiger die Lernenden Erklärvideos drehen, umso sicherer werden sie auch beim Formulieren der Texte. Zunehmend ergänzen sie dann die Texte mit eigenen Informationen.

Im Storyboard sind zur Differenzierung bei einigen Gruppen bereits die Überschriften der einzelnen Abschnitte eingetragen. Andere Gruppen erhalten zusätzlich passendes Bildmaterial zu ihrem Thema. Ein von der Lehrkraft gedrehtes Beispielvideo, das den Lernenden während der gesamten Arbeitsphase zur Verfügung steht, bietet ihnen eine grobe Orientierung, wie das Produkt aussehen soll. Damit es nicht eins zu eins kopiert wird, bietet es sich an, einen anderen fachlichen Inhalt zu wählen oder mehrere Videos zur Verfügung zu stellen.

Eine Möglichkeit innerhalb der Gruppen zu differenzieren, stellt das Festlegen diverser Rollen dar: Wer führt Regie, wer schreibt den Text auf, wer legt die Bilder und wer spricht? Achtet man beim Einteilen der Gruppen darauf, dass Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Stärken zusammenarbeiten, dann lassen sich die Rollen leicht verteilen. Mit Hilfe eines Ablaufschemas gelangen die Gruppen Schritt für Schritt zum eigenen Video.

Ideen zu den einzelnen Förderschwerpunkten

  • Lächelnder Mann denkt nach
    © istock.com/volhah (bearbeitet)

    Geistige Entwicklung:

    „Ich habe mit einzelnen Schülerinnen und Schülern meiner Gruppe Videos zu Handlungsabläufen des täglichen Lebens aufgenommen. Ein Kind hat mit einem Stativ gefilmt und eines hat später den Text gesprochen. Sie schauen sich die Videos immer wieder gerne an.“

  • © istock.com/volhah (bearbeitet)

    Geistige Entwicklung:

    „Bei mir zeigen Lernende in einem Erklärvideo, wie sie mit einem Material arbeiten. Die Texte wurden dann später mit einem Talker (Sprechcomputer) aufgenommen. Die Anleitungen nutze ich dann auch im Stuhlkreis, um ein Material zu erklären.“

     

  • © istock.com/volhah (bearbeitet)

    Emotionale und soziale Entwicklung:

    „Meine Schülerinnen und Schüler lieben es, mit digitalen Geräten zu arbeiten. Wenn sie einen genauen Ablauf haben, dann klappt das gut. Die Lernenden suchen sich die Informationen zu den Erklärvideos aus dem Internet. Die Texte korrigiere ich, bevor sie die Videos aufnehmen.“

  • Lächelnde Frau denkt nach
    © istock.com/volhah (bearbeitet)

    Lernen:

    „Ich bin immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich die Ergebnisse der einzelnen Gruppen sind, wenn wir Erklärvideos drehen. In unserer Klasse gibt es mittlerweile ein Helfersystem. Einige können bei der Regie und dem Text unterstützen, weil sie besondere Kompetenzen im sprachlichen Bereich haben, anderen fällt der Umgang mit der Technik leicht.“

Beispiel aus der Praxis

Didaktische Einordnung

Mit Hilfe der Legetechnik gestalten die Lernenden der 7. Jahrgangsstufe Erklärvideos zum Thema „Mülltrennung“ an ihrer Schule. Dabei stellen die unteren Jahrgangsstufen die Zielgruppe dar. Die Lernenden erarbeiten Kriterien für einen gelungenen Legetrickfilm und gestalten anschließend in Gruppen ein eigenes Video. Die passenden Inhalte entnehmen sie aus vorgegebenen Texten und Videos und ergänzen diese mit ihrem eigenen Wissen.

Lehrplanbezug

Dieses Unterrichtsbeispiel ist für die Inhalte des Lehrplans GPGNT der Förderschule (Lehrplanbereich: 5.3) konzipiert.

Unterrichtsverlauf

  • Erarbeitung von Kriterien für einen Legetrickfilm

    Gemeinsam werden mit Hilfe eines Legetrickfilms aus dem Internet die Kriterien für einen gelungenen Film dieser Art erarbeitet und an der Tafel für alle fixiert.

  • Planung mittels Storyboard

    Anschließend füllen die Lernenden in Dreiergruppen mit Unterstützung einer betreuenden Person das Storyboard (Drehbuch) für ihren Legetrickfilm aus. Die Inhalte entnehmen sie aus vorgegebenen Texten und Videos. Die passenden Bilder werden gezeichnet oder im Schulhaus fotografiert.

  • Anleitung zur Erstellung der Videos

    Auf der Grundlage der entstandenen Drehbücher erstellen die Lernenden in Gruppen einen Legetrickfilm. Anhand einer Checkliste zum Abhaken bearbeiten sie die dafür notwendigen Punkte. Anschließend bestimmt jede Gruppe folgende Rollen:

    • eine Person, die Regie führt

    • eine Person, die spricht

    • eine Person, die die Bilder legt

  • Dokumentenkamera
    © istock.com/The Beginner loving to press the shutter

    Peer-Feedback und Überarbeitung

    Bevor die Videos gedreht werden, legt jede Gruppe ihren Film unter der Dokumentenkamera vor der Klasse und spricht die aufgeschriebenen Texte dazu. Mit Hilfe der anfangs erarbeiteten Kriterien gibt die Klasse jeder Gruppe Feedback. Das Storyboard wird entsprechend ergänzt.

  • Produktion des Films

    Die Filme werden in einer Trickfilmbox aufgenommen und anschließend vertont.

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