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Problemfelder der Selbstinszenierung im Netz

Jugendliche sehen in TikTok, Instagram, YouTube und Co. Angebote mit ungeheurem Potential. Sie informieren darüber, was Freunde oder Influencer posten oder was gerade die aktuellen Trends sind. Man kann über das Internet jederzeit auf diese Inhalte zugreifen, ob an der Bushaltestelle, im Café oder beim Friseur. Langeweile kann nicht mehr aufkommen.

Aber auch die eigene Kreativität ist gefragt: Bilder, Videos oder Playback-Videos, in denen man selbst singt und tanzt werden mit Effekten wie Filter, Zeitlupe oder Zeitraffer versehen und dann ins Netz hochgeladen.

Hier kann man sich in verschiedenen Rollen ausprobieren und bekommt über Kommentare und Likes sofort Rückmeldung, wie dies in der Community ankommt. Die Hauptmotive sind „gesehen werden” und Aufmerksamkeit zu bekommen, denn das steigert das Selbstwertgefühl. Das wird noch verstärkt, wenn die Beiträge öffentlich zugänglich sind. Ob diese Aufmerksamkeit positiver oder negativer Art ist, ist für den User zunächst nicht unbedingt wichtig. Aber was, wenn das Feedback kippt und Hass, Verleumdung und Mobbing Überhand nehmen?

JIM-Studie 2021

Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest - Basisstudie von Jugendlichen (12 bis 19 Jahre)

Hinweis

Unterrichtsbeispiele für die Pirmar- und Sekundarstufe finden Sie unter folgenden Links:

Medialer Körperkult

Die Wirkung der eigenen Person auf andere ist stark mit dem äußeren Erscheinungsbild verbunden. Schöne Menschen werden bewundert und erhalten Aufmerksamkeit. Was als schön gilt, bezieht sich meist auf die gängigen Schönheitsideale und Geschlechterstereotype. Jugendliche beobachten die Entwicklung des eigenen Körpers sehr kritisch und besonders das ideale Körpergewicht unterliegt oftmals der eigenen subjektiven Einschätzung. Wenige Kilos mehr als die vermeintliche Norm können von Heranwachsenden bereits als sehr belastend empfunden werden.

Um mit der Darstellung des eigenen Körpers Aufmerksamkeit zu erregen, gibt es verschiedene Strategien, die viele Jugendliche erst einmal ausprobieren wollen.

Ästhetisches Körperbild

Ästhetisch bedeutet schlank zu sein, am besten sehr schlank. Das erreicht man bspw. durch strenge Diät. Wenn das aber nicht ausreicht, gibt es die Möglichkeit über die Fotobearbeitung nachzuhelfen. Influencer fungieren durch ihre eigene Erscheinung als Vorbilder und leiten dazu an, ihr Äußeres nachzuahmen. Sie geben vor, was gut aussieht, wie Mädchen sich optimal schminken und welche Körpermaße zu erreichen sind. Ähnliche Normen gibt es für Jungen. Schlankheit, ein makelloser muskulöser Körper und dessen kosmetische Bearbeitung sind gewünscht. Bilder von Fotomodels sind in allen Medien, besonders in der Werbung, stets gegenwärtig, diesen Bildern kann man in unserer Gesellschaft nicht entkommen.

Nach den Vorbildern von Models und Influencern erstellen junge Mädchen Fotos von sich und ahmen dabei auch die Körperhaltung ihrer oft deutlich älteren Vorbilder nach. Ein sexueller Bezug kann sich ergeben, wenn auf dem Bild sekundäre Geschlechtsmerkmale wie Brüste, Bauch oder Po betont werden und auch die Körperhaltung sexuelle Assoziationen hervorruft. Die Mimik in Form eines „Kussmundes“ und ein „lasziver Blick“ sowie spärliche Bekleidung vervollständigen ein sexistisches Körperbild.
Dieser sexuelle Bezug ist von dem Mädchen wahrscheinlich unbeabsichtigt, da sie sich in diesem Alter i.d.R. noch nicht bewusst sind, wie diese Posen wirken können. Zudem dürften sie sich der möglichen Folgen nicht bewusst sein. Einmal im Netz hochgeladene Bilder oder Videos können weiter veröffentlicht und im schlimmsten Fall als Druckmittel verwendet werden.

Unter Sexting versteht man den freiwilligen Austausch von selbstgemachten Nackt- oder Halbnacktbildern über das Handy, das Internet oder über Instant Messaging. Beim Versenden von Bildern ebenso wie bei Live-Kameras fehlt Jugendlichen häufig das Bewusstsein dafür, dass nicht nur der unmittelbare Gesprächspartner das Material sehen kann, sondern in manchen Fällen die gesamte Internetgemeinde (aus: Let’s talk ablut Porno, Klicksafe.de, S. 44).

Der Begriff steht für alle Arten der künstlich verursachten Veränderung des körperlichen Erscheinungsbildes: Tattoos und Piercings aber auch klassische Schönheitsoperationen wie z.B. Brustvergrößerung oder Fettabsaugung (aus: Let’s talk ablut Porno, Klicksafe.de, S. 45). Für Prominente aus Film, Mode oder Musik ist diese Form der Körpergestaltung beinahe Normalität geworden, so ist auch in den USA die Anwendung von Botox zur Faltenglättung in breiten Teilen der Bevölkerung bereits durchaus gängig.

Die Frage „Bin ich schön?“ korreliert stark mit der Frage „Bin ich beliebt?“ Sie bringt das Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu einer Peergroup zum Ausdruck. Dazu ist Übereinstimmung im Styling (Mode und Schmuck) aber auch beim Musikgeschmack und anderen Faktoren wichtig. So versuchen Jugendliche ihr Erscheinungsbild anzupassen und wie ihre Freunde oder Vorbilder auszusehen. Im Extremfall kann dies zum Wunsch nach einer chirurgischen Körperveränderung führen.

Schockierende Darstellung des Körpers (Happy Slapping)

Im Gegensatz zur ästhetischen Darstellung des Körpers gelingt es auch mit dem Gegenteil, besonders hässlichen oder gewalttätigen Bildern, Aufmerksamkeit zu wecken. Dabei ist es zweitrangig, ob die Bilder echt oder gefakt sind. Hauptsache sie sind schockierend. Im Netz kursieren bspw. Bilder und Videos von Folterungen und abgerissenen Gliedmaßen. Auf manchem Schulhof der Grundschule mussten sich Kinder als Mutprobe solche Bilder ansehen.

Der Begriff „Happy Slapping“ (Glückliches Schlagen) bedeutet jemanden zu attackieren, diesen Angriff zu filmen und auch zu veröffentlichen (Quelle: dictionary.cambridge.org). Dabei sollte nach Möglichkeit Blut fließen.

Ein Hype Ende 2021 war die Netflix-Serie: The Squid Game Die Serie ist ab 16 Jahren freigegeben. Darin werden beispielsweise hochverschuldete Menschen unter Druck gesetzt sich an einem Spiel, „Grünes Licht - Rotes Licht“ zu beteiligen, um ihre Schulden zu tilgen. Das Spiel erinnert an ein bei uns bekanntes Kinderspiel „Ochs am Berg“. Die Teilnehmer laufen auf ein Ziel zu und müssen unbeweglich stehenbleiben, wenn eine Spielfigur mit Bewegungsmelder sich umdreht. Wer sich noch bewegt wird erschossen. Das wird in Großaufnahme mit spritzendem Blut dargestellt. Squid Game war Ende 2021 die erfolgreichste Netflix-Serie und das Spiel wurde bereits von Grundschulkindern in dieser Form nachgespielt. Das Outfit der Peiniger (roter Overal und schwarze Gesichtsmaske) war ein beliebtes Halloween-Kostüm.

© pixabay

Venus von Milo 
Auch im hellenistischen Zeitalter (2. JH vor Christus) war ästhetischer Körperkult gesellschaftlich etabliert.

KIM-Studie 2020

Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest - Basisstudie von Kindern (6 bis 13 Jahre)

Risiken der Selbstinszenierung

Junge Leute suchen Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit in einer Peergroup. Um diese zu bekommen sind sie bereit zahlreiche Verhaltensmuster anzunehmen und nachzuahmen, die zu Anerkennung führen. Daraus ergeben sich folgende Risiken:

Überzogener medialer Körperkult

Das Streben nach dem vermeintlich perfekten Körper führt häufig zu Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, auch wenn dafür von außen betrachtet gar kein Anlass besteht. In erster Linie geht es darum schlank zu sein. Diese überzogene Erwartungshaltung bewirkt oft das Gegenteil. Störungen in Form von Esssucht, Magersucht oder Bulimie sind die Folge. Besonders die Magersüchtigen finden auf Pro-Ana-Portalen Bestärkung und weitere Anleitungen.

„Ana“ ist die Abkürzung für Anorexia Nervosa (Magersucht). Betroffene dieser Erkrankung bezeichnen sich selbst oft als „Ich bin (Pro-)Ana“). Gefakte Bilder zeigen ein Schönheitsideal, dass mit der Gesundheit nicht mehr vereinbar ist. Vor allem junge Menschen versuchen dem nachzueifern, auch wenn es gegen alle Vernunft ist.

Verlässliche Zahlen zur Häufigkeit von Essstörungen sind schwer zu erhalten. Die „Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.“ ermittelte Lebenszeitprävalenzen für Frauen zwischen 1,7 % und 3,6 % für die Anorexia nervosa, von 2,6 % für die Bulimia nervosa und von 3,0 % bis 3,6 % für die Binge-Eating-Störung. Bei Männern liegen die Zahlen deutlich niedriger. Weitere Informationen finden Sie in der rechten Spalte.

Harter Konkurrenzkampf um Beliebtheit

In nahezu allen Plattformen ist eine aktive Teilnahme über Likes (Symbol des erhobenen Daumens) und Kommentare möglich. Die Anzahl der Likes und positiven Kommentare zeigt die Beliebtheit des Beitrags und somit des Verfassers an. Diese Anzahl lässt sich mit anderen vergleichen. Um das Selbstwertgefühl zu stärken, entsteht ein Wettbewerb um möglichst viele Likes. Somit werden viele Jugendliche bestärkt ihre Beiträge für ein möglichst großes Publikum zu veröffentlichen.

Übermäßige Nutzungsdauer

Um nichts zu verpassen, müssen Jugendliche „immer on“ sein. Es herrscht ein Gruppenzwang, dass Kommentare und Beiträge möglichst zeitnah gelesen und beantwortet werden. Diese Omnipräsenz ist ein Zeitfresser und führt dazu, dass die Zeiten, die junge Menschen online verbringen, weiter steigen. So stieg die tägliche Onlinenutzungszeit Jugendlicher von 134 Minuten im Jahr 2011 auf 241 Minuten im Jahr 2021 (vgl. mps, 2021, 55). Ein solches Verhalten kann suchtähnliche Formen annehmen.

Verschuldung

Viele Jugendliche verfügen bereits über erhebliche finanzielle Ressourcen, sei es durch Taschengeld, eigene Einnahmen oder Geschenke. Damit werden sie zu einer wichtigen Zielgruppe der Werbung. Häufig sind die Verlockungen jedoch größer als der eigene Geldbeutel.

Eine besondere subtile Form der Werbung stellt das Productplacement dar, das oft gar nicht als solches identifiziert wird. Bspw. präsentieren Influencer in Videoclips ihre neu gekauften Produkte und preisen diese an. Es kann sich um einen besonderen Nagellack, Kleidungsstücke oder Energiedrinks handeln. Dadurch wird bei den Followern der Wunsch nach diesen Produkten geweckt. Jugendliche tragen ähnliche Kleidung oder verwenden die gleichen Produkte wie ihre Vorbilder und demonstrieren damit ihre Bewunderung für diese Influencer.

Über diese Risiken hinaus können sich Jugendliche durch unreflektiertes Verhalten auch in ernsthafte Gefahren bringen.

© istock.com/Ja_inter

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JIM-Studie 2021

Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest - Basisstudie von Jugendlichen (12 bis 19 Jahre)

Gefahren der Selbstinszenierung

Störungen im Rollenbild

Eine Studie der MaLisa Siftung zum Thema „Weibliche Selbst-Inszenierung in den neuen Medien“ belegt, dass sich sowohl Mädchen als auch Jungen bei der Inszenierung ihrer Person an normierten Schönheitsstandards orientieren. Zunächst wird versucht, den eigenen Körper an den ihrer Vorbilder (Influencer) anzugleichen. Mädchen legen Wert auf große Brüste, schmale Taille und lange Beine. Jungen wollen sich mit breiten Schultern, muskulösen Armen und einem „Sixpack“ zeigen. Wenn dieses Ergebnis nicht zufrieden stellt, wird mit Inszenierungstricks und Filtern nachgeholfen. Vertiefende Informationen dazu finden Sie im Artikel „Formen der Selbstdarstellung im Internet”.

Hasskommentare (Hate Speech)

Hate Speech (englisch für Hassrede) ist eine Form von digitaler Gewalt, die über Texte, Bilder und Videos verbreitet wird. Bestimmte Gruppen von Menschen werden so beleidigt, bedroht und verachtet.

Die Abwertungen durch andere Nutzerinnen und Nutzer beziehen sich auf die Hautfarbe (Rassismus), den Glauben, die Herkunft, das Geschlecht (Sexismus/Transphobie) oder die sexuelle Orientierung (Homophobie) dieser Gruppen. Auch Menschen mit Behinderung sind von Hasskommentaren betroffen. Da in nahezu allen Kanälen Kommentarfunktionen verfügbar und Kommentierungen erwünscht sind, sind auch die negativen Folgen wie z. B. soziale Ausgrenzung und Mobbing weit verbreitet. Dabei werden oft abfällige Ausdrücke verwendet.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist im Grundgesetz geschützt (Artikel 5, GG) . Dieses Grundrecht findet allerdings Grenzen bspw. durch die Unverletzlichkeit der Menschenwürde, die ebenfalls durch das Grundgesetz (Artikle 1, GG) geschützt ist.
Artikel 5, Grundgesetz:
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Artikel 1 Grundgesetz:
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Cybermobbing

Von Mobbing spricht man dann, wenn jemand über einen längeren Zeitraum immer wieder von einer oder mehreren Personen schikaniert wird. Das Opfer wird ausgegrenzt, beleidigt, verspottet, bedroht, es werden Gerüchte und Unwahrheiten verbreitet oder körperliche Gewalt eingesetzt.

Findet Mobbing über Internet, Smartphone oder andere digitale Medien und Geräte statt, spricht man von Cybermobbing.

Eine Trennung ist heute kaum mehr möglich, da fast immer digitale Medien dafür genutzt werden.

  • Sexistische Bilder, die ein Mädchen selbst auf einer Plattform veröffentlicht und später wieder gelöscht hat wurden heruntergeladen und in diffamierender Weise neu veröffentlicht.

  • Über Apps wie WhatsApp, Snapchat oder Instagram werden peinliche Bilder, Filme oder Nachrichten verschickt.

  • In Sozialen Netzwerken werden gefälschte oder sehr private Fotos (meist anonym) veröffentlicht. Zudem werden Hassgruppen gegründet, um jemanden gemeinsam fertig zu machen oder „Fakeprofile“ (gefälschte Profile) im Namen eines anderen erstellt, in denen diese Person dann lächerlich gemacht wird.

  • In Videoportalen wie YouTube werden Filme veröffentlicht, die andere in peinlichen Situationen zeigen. Diese Videos werden gelikt, gehässig kommentiert und/oder weiterverbreitet.

  • In einer Liebesbeziehung hat das Mädchen seinem Freund freizügliche Bilder zukommen lassen, nach Beendigung der Beziehung benutzt der Freund die Bilder, um das Mädchen bloßzustellen. (vgl. Klicksafe)

Cybergrooming

Cybergrooming ist das gezielte Ansprechen Minderjähriger über das Internet mit dem Ziel, sexuelle Kontakte anzubahnen – oft anonym oder unter falschem Namen (vgl. Schau-Hin.info).

Die Täter (fast ausschließlich Männer) sprechen ihre Opfer in Netzwerken, Chats, Messengern, Spielen etc. an und geben sich als gleichaltrig aus. Dabei verwenden sie ein falsches Profil, in der Regel mit falschem Bild. Sie verwickeln die Kinder in harmlose Unterhaltungen, um möglichst viele Informationen über sie herauszufinden. Zunächst zeigen die Täter viel Verständnis für die besondere Situation des Kindes und machen kleine Geschenke, um Vertrauen aufzubauen. Im Chat fordern sie das Kind auf, die Videokamera anzuschalten, lassen die eigene jedoch unter einem Vorwand ausgeschaltet. Später drängen sie die Opfer, Bilder und Videos mit sexuellen Inhalten zu verschicken und versuchen, sogar ein persönliches Treffen zu vereinbaren. Wenn die Täter Material mit sexualisierten Inhalten bekommen, können sie damit das Kind unter Druck setzen und drohen dieses zu veröffentlichen, wenn das Kind sich verweigert oder Hilfe bei Erwachsenen suchen will.

© istock.com/Irina Strelnikova

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Hinweis

klicksafe-Videoreihe #lauteralshass

Bekannte YouTuber berichten, wie sie persönlich mit Hasskommentaren umgehen. Sie zeigen, dass sie sich nicht entmutigen lassen und geben Tipps zu einem Unterrichtsprojekt zum Thema.

Mögliche Folgen und Hilfen

Insgesamt entwickeln Jugendliche mit zunehmendem Alter ein stärkeres Risikobewusstsein und bewegen sich sicherer auf den Onlineplattformen. Dennoch sind sie von negativen Erfahrungen im Netz nicht gefeit.

Folgen

Unreflektierte Nutzung kann neben kleineren Enttäuschungen auch tiefe Verzweiflung, Essstörungen, Abhängigkeit bis hin zu Depressionen als Folge haben. Wenn die emotionale Not zu groß wird, können Selbstverletzungen oder suizidale Handlungen folgen. Cybergrooming kann zu emotionalem und sexuellem Missbrauch führen.

Wichtig ist, die Jugendlichen bei Problemen nicht allein zu lassen und kompetente Hilfen anzubieten. Dabei sollten Eltern, aber auch Lehrkräfte sensibel sein für plötzliche auftretende Änderungen im Verhalten, die ein Ruf nach Hilfe und Unterstützung sein können.

  • Sich stark zurückziehen, keine Freunde mehr treffen

  • Auffallend launisch oder auch schweigsam sein

  • Schulische Arbeiten oder Hausaufgaben vernachlässigen

  • Konzentrations- oder Schlafstörungen

  • Anzeichen mangelnder körperlicher Hygiene

  • Auffallende Gewichtszunahme oder Gewichtsverlust

Hilfsangebote

„Nummer gegen Kummer“ (Tel.: 116111) bietet Kindern und Jugendlichen, aber auch Eltern (Tel.: 08001110550) kostenlose Gespräche und Beratungen an.
Sind Gespräche nicht mehr ausreichend, sollte man nicht zögern, Sozialarbeiter, Schulpsychologen oder ausgebildete Ärzte einzuschalten.

Auch die Polizei kann ein wichtiger Ansprechpartner sein: In schweren Fällen von Cybermobbing sollte Strafanzeige gestellt werden. Zudem wird die Polizei auch präventiv tätig und bietet Vorträge für Erziehungsberechtigte, Lehrkräfte oder Erzieherinnen und Erzieher an.

Polizistinnen und Polizisten kommen in Schulen und klären Jugendliche über die Problematik von Cybermobbing oder andere strafrechtlich relevante Vergehen und deren Folgen auf. Die Links und Verweise dazu finden Sie in der rechten Spalte.

Besonders hilfreich und überzeugend ist Beratung, wenn ältere Jugendliche ihre Erfahrungen an Jüngere weitergeben. Diese werden dafür ausgebildet und stehen dann in Peer-to-Peer Projekten für authentische Hilfen, Vorträge oder Projekte zur Verfügung. Beispiele und Anlaufstellen finden Sie im mebis-Infoportal. Auch die Webseite www.juuuport.de bietet sowohl präventiv als auch in akuten Situationen Unterstützung und Hilfe an und hat für besonders schwierige Fälle eine Liste von weiteren Beratungsstellen.

Im Vorfeld kann es helfen, die Jugendlichen darauf hinzuweisen, welche Einstellungen in der jeweiligen Plattform die Sicherheit erhöhen, indem beispielsweise die Beiträge nur privat sichtbar und die Kommentarfunktion deaktiviert werden. Anleitungen findet man bei Juuuport oder Klicksafe. Weitere Informationen zu den verschiedenen Plattformen finden Sie im Artikel „Orte der Selbstinszenierung“. Für Eltern bietet die Webseite www.schau-hin.info einen guten Überblick zu aktuellen Trends und Hypes. Auf Gefahren und Tipps für Sicherheitseinstellungen wird hingewiesen.

  Literatur

Feierabend Sabine, Rathgeb Thomas, Reutter Theresa (2021): JIM-Studie 2021.Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, Stuttgart. In Url: https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2021/JIM-Studie-2021_Web_final.pdf [aufgerufen am 05.01.2022]

Feierabend Sabine, Rathgeb Thomas, Reutter Theresa (2021): JIM-Studie 2021.Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, Stuttgart. In Url: https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2021/JIM-Studie_2021_barrierefrei.pdf  [aufgerufen am 05.01.2022]

Feierabend Sabine, Rathgeb Thomas, Reutter Theresa (2021): KIM-Studie 2018. Kindheit, Internet, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, Stuttgart. In Url: https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/KIM/2018/KIM-Studie_2018_web.pdf  [aufgerufen am 05.01.2022]

Götz, Maya; Wunderer, Eva; Greithanner, Julia; Maslanka, Eva (2019) http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/publikation/televizion/32_2019_1/Goetz_Wunderer-perfekt_sein.pdf  TelevIZIon, 32/2019/1, S. 29-31. [aufgerufen am: 05.01.2022]

JFF (2009): Web 2.0 als Rahmen für Selbstdarstellung und Vernetzung Jugendlicher. Analyse jugendnaher Plattformen und ausgewählter Selbstdarstellungen von 14- bis 20-Jährigen. https://www.jff.de/veroeffentlichungen/detail/web-2-0-als-rahmen-fuer-selbstdarstellung-und-vernetzung-jugendlicher0/ [aufgerufen am: 05.01.2022]

Klicksafe.de (2020) Ratgeber Cyber-Mobbing. Broschüre.
https://www.klicksafe.de/materialien/ratgeber-cyber-mobbing/#s|cybermobbing [aufgerufen am: 05.01.2022]

Klicksafe.de (2018) Selfies, Sexting, Selbstdarstellung – Neues Material für Lehrkräfte. Broschüre.
https://www.klicksafe.de/service/aktuelles/news/detail/selfies-sexting-selbstdarstellung-neues-material-fuer-lehrkraefte/ [aufgerufen am: 05.01.2022]

MaLisa (2019): Weibliche Selbstinszenierung in den neuen Medien. Ergebnisse einer Studienreihe präsentiert von der MaLisa Stiftung. In Url: https://malisastiftung.org/wp-content/uploads/Selbstinzenierung-in-den-neuen-Medien.pdf [aufgerufen am: 05.01.2022]

pasja1000. Bild: Venus von Milo. Pixabay License
https://pixabay.com/de/photos/venus-von-milo-die-statue-skulptur-3130119/ [aufgerufen am: 05.01.2022]

Schau-Hin.info. Cybergrooming: Missbrauch im Netz.
https://www.schau-hin.info/sicherheit-risiken/cybergrooming-missbrauch-im-netz [aufgerufen am: 05.01.2022]

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