Beispiel aus der Praxis: Berufsschule

Hinweis: Die folgenden Beispiele beruhen auf Erfahrungsberichten. Es ist von jeder Schule selbst zu prüfen, inwieweit die Umsetzung auf die eigene Schule übertragbar ist. Die Umsetzung erfolgt in eigener Verantwortung.

Welche verbindlichen Vorgaben und verlässlichen Rahmenbedingungen finden Sie an Ihrer Schule vor, die maßgeblich für Ihren Unterricht sind?
Wie strukturieren Sie die Bereitstellung der Materialien möglichst lernförderlich?
Falls ein digitales Heft verwendet wird, wie integrieren Sie dessen Nutzung lernförderlich?
Welche Erfordernisse entstehen, wenn Sie den Workflow und Unterstützungsbedarf aus Sicht der Schüler nachvollziehen?
Wie wollen Sie für die Lernenden erreichbar sein, welche Erwartungen formulieren Sie bezüglich Erreichbarkeit und Kommunikation?
Welche verbindlichen Vorgaben und verlässlichen Rahmenbedingungen finden Sie an Ihrer Schule vor, die maßgeblich für Ihren Unterricht sind?

An meiner Schule, einer Berufsschule mit kaufmännischen und gewerblichen Ausbildungsberufen, existieren in den verschiedenen Fachbereichen und Berufsgruppen jeweils unterschiedliche Rahmenbedingungen, die spezifisch auf die Anforderungen der einzelnen Ausbildungsberufe und Schülergruppen abgestimmt sind. Neben dem Konzept des „Bring Your Own Device“ (BYOD) gibt es sowohl Tablet-Klassen als auch analoge Klassen, in denen bei Bedarf mobile Laptopwagen eingesetzt werden können.
Im Folgenden soll exemplarisch die Unterrichtsgestaltung in einem kaufmännischen Ausbildungsberuf im Rahmen des BYOD vorgestellt werden. Der Unterricht findet im Blockunterrichtsmodell statt. Die Wahl des Arbeitsgeräts steht den Schülerinnen und Schülern frei; wir als Lehrkräfte empfehlen jedoch aus Gründen der Benutzerfreundlichkeit einen Laptop oder ein Tablet mit Tastatur. Erfahrungsgemäß nutzen die meisten Schülerinnen und Schüler einen klassischen Laptop, der ihnen teilweise auch vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird. Dies führt jedoch dazu, dass manche Anwendungen und Programme nicht genutzt werden können, da den Lernenden auf den Unternehmensrechnern nur eingeschränkte Nutzungsrechte (z. B. zur Installation von Programmen) zur Verfügung stehen.
Die Plattform mebis wird als primäres Lernmanagementsystem genutzt. Zusätzlich verwenden wir auch Teams als unterstützendes Kommunikations- und Kollaborationstool. Dies ergänzt mebis durch Funktionen für Besprechungen, direkte Chats und Gruppenarbeiten, wodurch die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern erleichtert werden.
Technische Probleme werden meist von unserem technikaffinen Lehrerteam gelöst, dem glücklicherweise auch ein Wirtschaftsinformatiker angehört.
Wie strukturieren Sie die Bereitstellung der Materialien möglichst lernförderlich?
Die Plattform mebis wird als primäres Lernmanagementsystem eingesetzt. Sie ermöglicht es, Materialien bereitzustellen, Aufgaben zu erstellen, Lernfortschritte zu überwachen und eine einheitliche digitale Struktur für die Schülerinnen und Schüler abzubilden. Das Lehrerteam hat sich auf eine gemeinsame Struktur in Form von „Reitern“ geeinigt, da diese von den Lernenden als sehr übersichtlich wahrgenommen wird. Für jedes Fach (Lernfeld) gibt es einen eigenen Kurs – jeder Reiter stellt eine Unterrichtseinheit dar, die nach und nach für die Schülerinnen und Schüler freigeschaltet wird.
Diese Struktur erleichtert zudem die Prüfungsvorbereitung, da die Schülerinnen und Schüler während ihres gesamten Berufsschulbesuchs Zugang zu allen relevanten Kursmaterialien haben. In unserem Team hat sich auch eine durchgängige Struktur für die Gestaltung der Unterrichtseinheiten etabliert. Jede Unterrichtseinheit beginnt mit Lernzielen und Lerninhalten, die gelb dargestellt sind. Allgemeine Informationen, wie kurze Einleitungstexte, erscheinen in der Regel in grau oder blau. Arbeitsaufträge sind immer rot markiert. Auf diese Weise steht den Lernenden auch innerhalb der Unterrichtseinheiten eine optisch einheitliche Struktur zur Verfügung.
Auch Leistungserhebungen und (benotete) Abgaben finden über mebis statt.
Tipp: hierfür gesonderten Kurs anlegen
Falls ein digitales Heft verwendet wird, wie integrieren Sie dessen Nutzung lernförderlich?
Zu Beginn der 10. Klasse, wenn die Schülerinnen und Schüler neu an unsere Schule kommen, findet eine kurze Einführung in die Plattform mebis statt. Viele sind mit mebis bereits aus ihren vorherigen Schulen vertraut. Die Lernenden können selbst eine passende Ordnerstruktur anlegen; die Lehrkräfte geben jedoch konkrete Empfehlungen zur Strukturierung. Diese Empfehlungen, begleitet von einem kurzen, selbst aufgenommenen Screen-Recording, sind auf mebis hinterlegt und können jederzeit von den Schülerinnen und Schülern abgerufen werden.
Arbeitsblätter, Übersichten, Screenshots und weiteres Material aus mebis sollen systematisch abgelegt werden. Um dies zu erleichtern, wird bereits bei der Einspeisung der Materialien in mebis auf eine sinnvolle Nummerierung geachtet. So müssen die Lernenden die Dokumente nicht umbenennen, und die Ablage folgt der Unterrichtsstruktur.
Zur gezielten Prüfungsvorbereitung wird für jede Unterrichtseinheit ein Merkblatt zur Verfügung gestellt, das die Schülerinnen und Schüler in ihrer Lieblingsfarbe markieren und doppelt abspeichern können – einmal im Ordner der jeweiligen Unterrichtseinheit und zusätzlich in einem speziellen Ordner für die Prüfungsvorbereitung. Dadurch haben die Lernenden in der 12. Klasse bei der Vorbereitung auf die Prüfung einen klaren Überblick über alle relevanten Themen in einem einzigen Ordner. Das Feedback der Schülerinnen und Schüler zu dieser Vorgehensweise war sehr positiv.
Das nachfolgende Beispiel zeigt die Ordnerstruktur einer Schülerin in der 11. Klasse.
Welche Erfordernisse entstehen, wenn Sie den Workflow und Unterstützungsbedarf aus Sicht der Schüler nachvollziehen?
Die Verwendung der Programme stellt in der Regel kein Problem dar, da die Schülerinnen und Schüler diese bereits aus ihren vorherigen Schulen (mebis) oder aus ihren Ausbildungsbetrieben kennen.
Der größte Bedarf an Unterstützung besteht in meiner Schulform aufgrund der starken Heterogenität der Lerngruppen. Da Schüler unterschiedlich schnell lernen, sind Angebote zum selbstständigen Wiederholen und Vertiefen von Inhalten sinnvoll. Auch bei der Erarbeitung der Inhalte lässt sich durch die Bereitstellung unterschiedlicher oder zusätzlicher digitaler Materialien (z. B. durch die Gruppenfunktion in mebis) ohne großen zusätzlichen Vorbereitungsaufwand differenziert arbeiten.
Wie wollen Sie für die Lernenden erreichbar sein, welche Erwartungen formulieren Sie bezüglich Erreichbarkeit und Kommunikation?
An unserer Schule stehen den Lehrkräften verschiedene Medien zur Verfügung, um erreichbar zu sein, wie z. B. Dienstmail, WebUntis, mebis oder unser Kollaborationstool. Auch hier werden unterschiedliche, individuelle Kommunikationswege genutzt.
Im regulären Distanzunterricht – der im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten des BayEuG, ein fester Bestandteil unseres Unterrichtskonzepts ist – erfolgt die Kommunikation hauptsächlich über unser eingeführtes Kollaborationswerkzeug. Hierfür legt der Klassenleiter für jede Klasse ein Team an, und für Gruppenarbeiten werden bei Bedarf temporäre Räume erstellt.
Ansonsten bin ich für meine Schülerinnen und Schüler sowie für Kolleginnen und Kollegen per Mail oder telefonisch über die Schule erreichbar.
„Der Unterricht kann ganz oder teilweise im Wege des Distanzunterrichts erteilt werden, sofern und soweit die hierfür erforderlichen technischen Voraussetzungen gegeben sind. Distanzunterricht gilt als regulärer Unterricht.”