Beispiel aus der Praxis: Gymnasium
Hinweis: Die folgenden Beispiele beruhen auf Erfahrungsberichten. Es ist von jeder Schule selbst zu prüfen, inwieweit die Umsetzung auf die eigene Schule übertragbar ist. Die Umsetzung erfolgt in eigener Verantwortung.

Welche verbindlichen Vorgaben und verlässlichen Rahmenbedingungen finden Sie an Ihrer Schule vor, die maßgeblich für Ihren Unterricht sind?
Wie strukturieren Sie die Bereitstellung der Materialien möglichst lernförderlich?
Falls ein digitales Heft verwendet wird, wie integrieren Sie dessen Nutzung lernförderlich?
Welche Erfordernisse entstehen, wenn Sie den Workflow und Unterstützungsbedarf aus Sicht der Schüler nachvollziehen?
Wie wollen Sie für die Lernenden erreichbar sein, welche Erwartungen formulieren Sie bezüglich Erreichbarkeit und Kommunikation?
Welche verbindlichen Vorgaben und verlässlichen Rahmenbedingungen finden Sie an Ihrer Schule vor, die maßgeblich für Ihren Unterricht sind?

An meiner Schule haben wir das BYOD-Konzept mit vielen Freiheiten eingeführt. Wir schreiben z.B. keine bestimmten Geräte vor, sondern versuchen, die Geräte, über die die Schülerinnen und Schüler ohnehin schon verfügen, umfassend zu integrieren. Dies gelingt dadurch einfacher, dass alle Klassenzimmer nicht nur mit einem Lehrerlaptop sondern auch mit einer drahtlosen Verbindung zum Beamer und zusätzlich einem Apple-TV ausgestattet sind, so dass mit allen Betriebssystemen gleichermaßen gearbeitet werden kann. Durch die gleiche Ausstattung in allen Klassenzimmern, komme ich als Lehrkraft nach einer gründlichen Einweisung durch den Systembetreuer sehr gut mit den technischen Voraussetzungen zurecht.
Diese Offenheit führt auch dazu, dass die Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Notizenapps verwenden. Als Lehrkraft sollte man also zumindest über Grundkenntnisse über die verschiedenen Notizenapps verfügen. Für die Lernenden in den BYOD-Klassen findet zu Schuljahresbeginn eine einführende Schulung statt, die technische und anwendungsbezogene Aspekte umfasst. Diese Schulung wird während des Schuljahres zu verschiedenen medienpädagogischen Themen fortgesetzt. Verantwortlich hierfür ist die Medienpädagogin. So kann ich mich bereits zu Beginn des Schuljahres auf grundlegende Bedienkompetenzen seitens der Schülerinnen und Schüler verlassen. Auch werden in diesem Rahmen Regeln und Absprachen besprochen, die den Lernenden sowie deren Eltern bekannt gemacht und als Poster in den Klassenzimmern ausgehängt werden.
Dadurch, dass es keine konkreten Vorgaben gibt, welche Geräte verwendet werden, ist auch die Wahl der Anwendungen sehr offen. Browserbasierte Anwendungen stellen in der Regel kein Problem dar. Wenn ich möchte, dass die Schüler mit einer bestimmten Anwendung arbeiten, muss ich sie natürlich anleiten, wie sie funktioniert.
Bei technischen Problemen stehen die beiden Systembetreuer jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Zusätzlich betreuen sie jeden Freitagnachmittag eine Schülergruppe (ab 8. Klasse), die sich mit der Technik in den Klassenzimmern auseinandersetzt und z.B. neue Beamer installiert oder sonstige anfallenden Arbeiten erledigt. Für den „kleinen technischen Notfall“ gibt es in jeder Klasse mindestens zwei Schülerinnen und Schüler, die von den Systembetreuern für die Technik im Klassenzimmer geschult wurden und den Lehrkräften gegebenenfalls Hilfestellung geben können.
Wie strukturieren Sie die Bereitstellung der Materialien möglichst lernförderlich?
Ich habe mich für die Arbeit mit mebis entschieden.
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Für meinen Kurs habe ich das Kachelformat gewählt. Jede Kachel entspricht einer Lektion aus dem Buch, so dass für die Schülerinnen und Schüler gut nachvollziehbar ist, in welchem Bereich wir aktuell arbeiten. -
Innerhalb der Kacheln findet sich auch eine Untergliederung, die an das Lehrwerk angelehnt ist.
Ich achte immer darauf, dass die Dateien, die ich zur Verfügung stelle, in einem eigenen Fenster geöffnet werden, damit nicht aus Versehen die mebis-Lernplattform geschlossen wird. Die Schülerinnen und Schüler laden die Materialien bei Bedarf in der entsprechenden Unterrichtsphase herunter und speichern sie in ihrer Ordnerstruktur.
Mebis bietet den Vorteil, dass ich alle Arten von Materialien von einfachen Textfeldern mit kurzen Hinweisen bzw. Überschriften, über Arbeitsblätter bis zu eingebetteten Links für die Lernenden zur Verfügung stellen kann. Theoretisch habe ich bei mebis die Möglichkeit, Material zu einem bestimmten Zeitpunkt, z.B. zu Beginn der Unterrichtsstunde, freizuschalten. Davon mache ich allerdings sehr selten Gebrauch, da ich das Material immer direkt im Unterricht an den entsprechenden Stellen freischalte und damit den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stelle. Ich bewege mich also während der Unterrichtsstunde gemeinsam mit den Lernenden auf der Lernplattform und zeige ihnen auch in der Projektion, wo sie die Materialien genau finden können.
Falls ein digitales Heft verwendet wird, wie integrieren Sie dessen Nutzung lernförderlich?
In der Regel wählen die Schülerinnen und Schüler eine Notizenapp, in der sie ihr Material in strukturierter Form organisieren. Die Lernenden werden von mir angeleitet, Hefteinträge, Übungen und Hausaufgabe nach Lehrwerkskapitel bzw. Thema sortiert abzulegen. Sie werden von mir dazu angehalten, hier individuelle Ergänzungen vorzunehmen, z. B. nützliche Webseiten zu verlinken, thematische Grafiken einzufügen etc., sodass sie wirklich von den Vorteilen einer digitalen Heftführung profitieren können. Das flexible Ordnen von Inhalten und nachträgliche Korrigieren bzw. Verschieben erweisen sich natürlich als vorteilhaft.
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Beispiel für eine Heftstruktur in einer Notizenapp (1) -
Beispiel für eine Heftstruktur in einer Notizenapp (2)
So wie ich vorher analoge Hefte gelegentlich eingesammelt und durchgesehen habe bzw. Hausaufgaben korrigiert habe, lasse ich diese Heftseiten bzw. Dokumente jetzt in mebis mit der Funktion „Aufgabe“ hochladen. Ich kann wählen, ob ich direkt in die Texte hinein korrigieren will, ob ich sie herunterlade, korrigiere und wieder mit einem Kommentar und gegebenenfalls einer Bewertung versehen hochlade, oder ob ich einen Audiokommentar gebe. Wichtig ist, die Schülerinnen und Schüler dazu anzuhalten, die Dateien sinnvoll zu benennen, so dass ich als Lehrkraft die Dateien gleich entsprechend zuordnen kann und kein zusätzlicher Aufwand entsteht. Ich persönlich öffne die Texte in den jeweiligen Programmen, speichere die Korrekturen und lade die Dokumente dann zusammen mit einem Kommentar wieder in mebis hoch. Wenn die Schüler eine E-Mail-Adresse hinterlegt haben, bekommen sie auch eine entsprechende Nachricht, dass sie eine Korrektur erhalten haben.

Welche Erfordernisse entstehen, wenn Sie den Workflow und Unterstützungsbedarf aus Sicht der Schüler nachvollziehen?
An die Arbeit mit mebis sind unsere Schülerinnen und Schüler bereits seit der Unterstufe gewöhnt, sodass hier beim Eintritt in die BYOD-Klassen (ab Klasse 8) keine große Einarbeitung mehr stattfinden muss. Die Einführung in die Arbeit mit den digitalen Heften übernimmt die Medienpädagogin. Ich „sammle die Hefte“ nach einer gewissen Zeit einmal ein, d.h. ich lasse mir von einzelnen Schülern, die Hefteinträge oder Übungen am Stundenende zuschicken oder hochladen, so dass ich nach ein paar Wochen bei allen einmal einen Einblick in die Heftführung habe und die Lernenden zugleich das Hochladen und Abgeben in einem bestimmten Dateiformat geübt haben. Je mehr Routine die sie dabei bekommen, desto weniger komplex müssen meine Arbeitsanweisungen sein.
Bei meiner Unterrichtsvorbereitung muss ich beachten, ob der Workflow für die Schülerinnen und Schüler funktioniert, d.h. ob sie z.B. mit dem von mir zur Verfügung gestellten Material parallel arbeiten können. Gegebenenfalls ist es einfacher, das Buch oder ein Arbeitsblatt in analoger Form vor sich liegen zu haben, als in einem split screen nur jeweils Ausschnitte bearbeiten zu können.
Wie wollen Sie für die Lernenden erreichbar sein, welche Erwartungen formulieren Sie bezüglich Erreichbarkeit und Kommunikation?
Ich bin normalerweise über mehrere Kanäle erreichbar, z.B. über dienstliche E-Mail, über das Eltern- und Schülerportal und über Teams. Es gibt keine schulinternen Regelungen, was Erreichbarkeit und Kommunikation angeht. Bisher bestand dazu noch keine Notwendigkeit.
Netikette und Umgangsformen im Netz werden an unserer Schule im Rahmen von Medientagen in der 6. Klasse besprochen.